2014 - Balkan-Jazz-Projekt im Ballenlager
Nach dieser eher introvertierten Einstimmung in kleinerer Besetzung traten auch de übrigen Musiker hinzu und dann konnten sie ihrer Spielfreude natürlich freien Lauf lassen. Wie ein wahrer Wirbelwind durchströmte die Musik den Saal, wobei besonders Miklás Lukács auf dem Cimbalon die Nähe zum Balkan mit seinem Instrument besonders unterstrich. Er stammt aus einer Familie, in der das Cimbalon-Spiel eine lange Tradition hat. Sein musikalisches Denken leugnete nie die folkloristischen Wurzeln, zeigte sich aber auch frei für innovative Einflüsse. So spielten sich die Musiker die eingängigen Melodien wie bei „Open Mood“ in einem perfekten Dialog zu, wobei jeder seine eigene Persönlichkeit in den farbenfreichen Ensembleklang einfließen lassen konnte.
In ihrer Weltmusik ließen sich die Musiker nicht von stilistischen Grenzen einengen. Sie bedienten sich harmonischer und rhythmischer Elemente aus Klassik, Folk und Jazz, um etwas ganz Neues zu schaffen. Die Lebendigkeit und Spritzigkeit der Musik riss das Publikum vom ersten Moment an mit, solch eine farbenreiche und klanglich interessante Musik kann man wohl nur selten erleben. Unvergesslich werden die musikalischen Wettstreite zwischen Mihály Borbély auf der Tárogatáto und Theodosii Spassov auch der Tilinka sein. Die Klangfarben des traditionellen ungarischen Rohblattinstruments und der bulgarischen Hirtenflöten verschmolzen einfach perfekt miteinander, zumal sie jeweils von Meistern ihres Instrumentes gespielt wurden. Wenn dann noch der Akkordeonist Agatic Krunozláv, György Mihály an der Bouzouki sowie Horváth Balázs am Kontrabass den passenden Grund für die wunderbaren Melodien lieferten und Szabó Hunor klangmalerisch am Schlagzeug agierte, war das teils mystisch anmutende Musikerlebnis des Publikums einfach perfekt.
Nachdem sich die Musiker vom „My Bulgarian Sky“ inspirieren ließen, bereiteten sie auf ihrer musikalischen Weltreise mit „Last Question“ und „My Favorite Things“ ein eindrucksvolles Finale.
Landesweit wird die noch weiterlaufende Konzertreihe „Summerwinds Münsterland“ beworben, viele Besucher am Samstagabend reisten etwa aus dem Ruhrgebiet an. Für Matthias Schröder und Egon Koling überraschend: „Bei der ersten Auflage war es so, dass der Kartenvorverkauf eher mäßig lief, aber die Abendkasse das Konzert füllte, das war jetzt erneut so“, bestätigten beide. Schröder: „Wir sind hochzufrieden, Greven ist toll, das haben auch die Musiker gemerkt und gelobt.“ Vor allem durch eine einfach zu handhabende Logistik und ein tolles Ambiente sei das Ballenlager bei Organisatoren, Musikern und Zuschauern erneut sehr gut angekommen. Gespielt wurden am Abend Klänge aus vielen verschiedenen Holzblasinstrumenten, weiche ungarische Töne eines Saxophons, auch eine Hirtenflöte und einer Bukovina waren zu hören. Die Zuschauer, sie reisten mit geschlossenen Augen von der Ems bis nach Transsilvanien, erlebten den Balkan, die Kaval als Nationalinstrument Bulgariens und Mazedoniens – ein europäischer Musikabend, den viele genossen.