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2026 – Vogt & Gremme – Else Lasker-Schüler „Sehnsucht nach Liebe“ – 18. Januar und 1. Februar






2026 – Vogt & Gremme – Else Lasker-Schüler „Sehnsucht nach Liebe“ – 18. Januar und 1. Februar

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Wort und Klang trugen sich gegenseitig

Musikalische Lesung zu Else Lasker-Schüler

Die Zusammenarbeit der Stadtbibliothek Greven und der Kulturinitiative hat sich am Sonntag einmal mehr als Glücksfall für die Literaturliebhaber erwiesen.

Wieder konnte man den Rezitator Bernd Vogt und den Musiker Patrick Gremme erleben, diesmal bereicherte dessen Tochter Antonia mit ihrer ausdrucksstarken Stimme der Veranstaltung eine tief bewegende Facette.

Die restlos ausverkaufte Veranstaltung erwies sich als ein eindringliches, bewegendes und lange nachhallendes Erlebnis, das Literatur und Musik verschmolz und bei dem sich Wort und Klang gegenseitig trugen.

Schon mit den drei frühen Liebesgedichten, die zu Beginn rezitiert wurden, öffnete sich ein Raum der Intimität, ein leiser Vorhang aus Sprache, hinter dem Else Lasker-Schüler als junge, suchende, hingebungsvolle Dichterin sichtbar wurde, verletzlich und fordernd zugleich. In dieser Ouvertüre lag bereits all das angelegt, was den Abend tragen sollte: die Überfülle des Gefühls, das Wagnis des Sich-Auslieferns, das Glühen und das Verzehren.

Wenn darauf „Ich bin von Kopf bis Fuß“ von Friedrich Holländer erklang, wurde die berühmte Zeile nicht zur bloßen Reminiszenz, sondern zu einem programmatischen Bekenntnis, das sich wie ein roter Faden durch den Abend zog, denn genau so lebte Else Lasker-Schüler, ganz und gar, kompromisslos, mit Sprache und Zeichnung, mit Begehren und Schmerz.

Bernd Vogt verstand es, Auszüge aus der Arbeit der früheren Schülerin Paula über Else Lasker-Schüler so einzubetten, dass Information nie trocken wirkte, sondern lebendig, erzählerisch, getragen von spürbarer Nähe und Respekt. Er schaffte es, biografische Fakten nicht nur zu erklären, sondern sie zu vertieften und den Menschen dahinter lebendig werden zu lassen.

Wenn der Satz fiel, Lust und Begehren seien kein Verbrechen, sondern ein Grundrecht, dann war dies nicht nur ein historisches Zitat, sondern eine zeitlose Kampfansage, die noch heute trifft und herausfordert. Die Beschreibung ihrer schillernden Persönlichkeit, dieses Changierens zwischen Selbstinszenierung und existenzieller Einsamkeit, machte verständlich, warum ihre Lyrik bewundert wurde, Zeitgenossen wie Kafka und Rilke sie wohl als Zumutung empfanden.

In den Gedichten „Chaos“, „Sehnsucht“ und „Frühling“, begleitet von der Gitarre und dem Lied „Feelings“, verband sich Wort und Musik zu einer schwebenden Melancholie, die nicht resigniert, sondern suchend war. „An den Kurzzeitgeliebten“ und „Sinnenrausch“ führten weiter in jene Zwischenräume der Liebe, in denen Ekstase und Vergänglichkeit untrennbar ineinander greifen, und die Melodie von „You Are So Beautiful“ untermalte Patrick Gremme diesen innigen Moment.

Mit „Mein Apfelbäumchen“ von Reinhard Mey öffnete sich ein Bild von Hoffnung und Zukunft und das Gedicht „Vorahnung“ legte bereits den Schatten kommender Brüche darüber. Die Schilderung ihres Lebens in der Berliner Kaffeehauswelt ließ diese Epoche aufscheinen als Ort der Begegnung, des geistigen Austauschs, aber auch der existenziellen Unsicherheit, in der Else Lasker-Schüler sich bewegte wie eine Königin ohne Reich.

Gedichte wie „Heimlich zur Nacht“ sowie „Athanatoi“ wurden mit „Lass uns leben“ von Westernhagen kombiniert. Antonia Gremme agierte als Sängerin, deren Stimme dem Abend eine emotionale Dimension hinzufügte.

Das Publikum folgte dem Weg durch das Leben der Else Lasker-Schüler mit gespannter Aufmerksamkeit und sichtbarer Bewegung. Es ging an diesem Abend nicht um bloße Wissensvermittlung, sondern um ein Einlassen, ein Mitgehen, ein Sich-Berühren-Lassen.

Dass Else Lasker-Schüler nie nur Ehefrau sein wollte, dass sie als jüdische Lyrikerin ein unabhängiges, normensprengendes Leben führte, wurde ebenso deutlich wie ihre politischen und humanistischen Sorgen. Die biografischen Stationen wurden wie Mosaiksteine gelegt, die sich im Inneren der Zuhörer zu einem Bild fügten.



Quelle: 2026 – Vogt & Gremme – Else Lasker-Schüler „Sehnsucht nach Liebe“ – 18. Januar und 1. Februar