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6-Zylinder im Ballenlager






6-Zylinder im Ballenlager


Nach gefühlt viel zu vielen Jahren erstmals wieder im Ballenlager zeigten die „6-Zylinder“ am Freitagabend vor über 250 Liebhabern feinsten A-Capella-Gesangs, dass sie nach 30 Jahren auf diversen Bühnen quer durch die Republik immer noch auf der Höhe ihres Könnens sind.

Mit Bravour und unerschütterlicher Energie boten die sympathischen Herren aus dem nahen Münster im schwarzen Jackett und Bugatti-Jeans mit „alle fünfe – refreshed“ ein facettenreiches Programm, bei dem vom Liebeslied bis zum mitreißenden Rock‘n’Roll alles dabei war. In Greven kannte man allerdings den „neuen“ Roland Busch noch nicht, der vor einiger Zeit für Matthias Ortmann eingestiegen war und seine Erfahrungen aus der Zeit als Leadsänger der „Funkeys“ mit großer Bühnenpräsenz einzubringen weiß. Auch die grazilen kleinen Choreographien bei einzelnen Liedern zeigten da die Handschrift des versierten Conférenciers, Regisseurs und Filmemachers.

Mit feinster Gesangskultur verwöhnten die 6-Zylinder bei „Weather With You“ und „The Man Who Can‘t Be Moved“ auf ganz hohem Niveau. Aber auch fürs Herz hatten die Herren so einiges an Liedern parat. Mit warm timbrierter Stimme verzauberte Jos Gerritschen bei „Crazy Little Thing“, flirtete sich Roland Busch mit süffisanter Anbiederung beim „Abtaun Girl“ in die Herzen des weiblichen Geschlechts. Wenn sie als wahre Entertainer in einer „Märchenstunde“ zur Rettung des Volkslieds die alte Weise von der Flunder zelebrierten, musste jeder schmunzeln bei solch triefender Selbstironie. Das Publikum sang bei dieser Moritat begeistert mit.

Urwüchsiger ging es danach in die Niederungen der Westfälischen Hofreitschule. Unter Dressurreitern hätte ihre „Symphonie der Hengste“ sicherlich einen wahren Sturm der Entrüstung entfacht. Aber bei dem bestens aufgelegtem Publikum im Grevener Ballenlager konnte die getanzte Quadrille zu „A horse with no name“ von America ihren ganzen Charme entfalten. Hier paarte sich Eleganz und Esprit in kultverdächtiger Choreographie. Als Huldigung an Udo Jürgens durfte Henrik Leidreiter beim „Frankfurter Kranz“ kalorienträchtige Backprodukte zur Melodie vom griechischen Wein präsentieren.

Unter die Haut gingen die puren Gefühle, mit denen Thomas Michaelis als Bauer Heinz seine Liebste verführte. Bei Schützenfestatmosphäre mutierte der Stones-Klassiker „Let‘s spend the night together“ zum viel bejubelten „Zeig mir den Trauschein, Baby“.

„Du fängst den Wind niemals ein“ geriet zur Ode an den speziellen Duft der Westfälischen Landluft, stand bei so viel brasilianisch verdächtigem Temperamentsausbruch „Feld in Flammen“. Bei „Gästebuch-Blues“ und „Gebt uns euer Wort“ tropfte nur so die Melancholie von der Bühne zum Publikum.

Für Furore im Ballenlager sorgte das Quintett dann beim grandiosen Finale mit dem AC/DC- Klassiker „Highway to Hell“. Vom Staub der Zeit befreit erklang dieser Song als „Auf dem Heimweg wird‘s hell“ unter dem tosenden Applaus des Publikums.