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2010 – Barbara Dennerlein im Ballenlager






2010 – Barbara Dennerlein im Ballenlager


Barbara Dennerlein im Ballenlager (WN)Zehn Finger, zwei Füße, ein Instrument: Mehr Dinge benötigt Barbara Dennerlein nicht, um einen ganzen Konzertsaal ins Staunen zu versetzen. Ihre Hände rasen über die Klaviatur ihres Wunderkastens, der Hammondorgel, die Füße spielen den tiefen Bass an den Pedalen. Barbara Dennerlein und ihre Orgel – das ist eine Beziehung wie die eines alten Ehepaares, wie eine ewige Liebe. Ein Klangerlebnis, das sie zu einer Ikone der deutschen Jazz-Szene gemacht hat. Am Donnerstagabend gastierte Dennerlein samt Begleitern im Ballenlager.

Ganz entspannt gehe sie an ihre Aufgabe ran, verriet sie ihrem Publikum mit charmant-bayrischem Spracheinschlag. Stau, neun Stunden Anreise aus dem fernen München. Ein Star hat eben viel zu tun. Aber der Ausflug in die Jazz-Provinz sei für sie immer wieder ein Erlebnis. Ein Erlebnis nicht nur für die Protagonistin dieses Jazz-Konzertes, sondern auch für die 200 Jazz-, Blues- und Boogieliebhaber, die der Frau beim Zaubern an den Orgeltasten lauschten.

Den Anfang markierten allerdings zwei andere Künstler: Das Duo Ignatz Netzer (Gitarre) und Thomas Scheytt (E-Piano) stimmte das Publikum mit flottem Boogie und ebenso flotten Sprüchen auf Barbara Dennerleins Auftritt ein. Und besser als Netzer kann man Dennerleins Musik wohl nicht charakterisieren: „Eine Frau mit Charme, Herz und Seele. Die Musik ist wunderbar, obwohl sie aus Bayern kommt“, stichelte der humorvolle Gitarrist ein wenig, ehe dann Organistin Dennerlein begann.

Sie zeigte einen Rundumschlag ihres Repertoires. Hier ein tragender, grooviger Blues, dort Jazz mit einer großen Portion Latin-Einschlag. Die weit gefächerte Bandbreite war nicht zu überhören. Im Hintergrund unterstützte Schlagzeuger Marcel Gustke die mal quietschigen, mal schrillen, mal sanften Orgeltöne. Und dann experimentierte Dennerlein immer wieder an ihrem „Schaltpult“, drehte den berüchtigten Leslie-Schwingungseffekt der Hammondorgel auf, spielte gekonnt mit Harmonien und Dissonanzen, improvisierte. Was die Jazz-Organistin aber mit ihren Beinen anstellte, trieb diese Virtuosität auf den Höhepunkt: Absolut präzise legte Dennerlein an den Orgelpedalen beeindruckende Basslinien hin. Der finale Jubel der Zuhörer fiel denn ebenso euphorisch aus: Mit stehenden Ovationen huldigte das Publikum der Organistin und ihren Mannen im Schlepptau. „Berechtigt“, resümierte Ignatz Netzer. „Was ich bei euch mag, ist diese Euphorie“, so sein Fazit. Eine angebrachte Euphorie, denn dieser Jazz-Abend der Kulturinitiative war ein ganz besonderer.

 

Barbara Dennerlein im Ballenlager (GZ)

Jazz und Orgel, geht das?? Und wie das geht! Barbara Dennerlein und ihre Mitstreiter bewiesen das eindrucksvoll am Donnerstagabend vor leider nicht ausverkauftem Haus im Ballenlager. Wer ist Barbara Dennerlein mögen sich viele, die nicht kamen, gefragt haben. Nun, sie haben eine der besten Jazz Interpretinnen der Welt verpasst.

Was Barbara Dennerlein da mit ihrer Orgel anstellte versetzte das Publikum erst ins Staunen, dann regelrecht in Verzückung und letztlich veranlasste ihr Können zu wahren Begeisterungsstürmen. Selten hat man die sonst doch eher steifen Grevener so sehr in Bewegung gesehen. Da stand kein Fuß still, kein Körper saß ruhig auf seinem Stuhl Barbara Dennerlein, Marcel Gustke am Schlagzeug, Ignaz Netzer Gitarre, Mundharmonika und Gesang sowie Thomas Scheytt am Keyboard brachten rhythmische Bewegung ins Grevener Publikum.

Jeden einzelnen Euro war der Besuch wert. Zudem hätte jeder Künstler ohne weiteres eine eigene One-Man-Show auf die Bühne bringen können. Ignaz Netzer unterhielt das Publikum nicht nur mit witzigen Sprüchen sondern vornehmlich mit seinem Gesang und seiner virtuosen Behandlung seines „Goschnhobels“ wie er die Mundharmonika liebevoll bezeichnete.

„In Bayern heißt sie noch anders, aber das sage ich hier nicht, denn ich möchte ja gern noch einmal nach Greven kommen dürfen“, flachste Netzer. Thomas Scheytt zeigte sich am Keyboard ebenfalls als Ausnahmekönner, legte Solis hin die „sich gewaschen haben“ und funktionierte in perfekter Harmonie mit den anderen Künstlern. Auch Marcel Gustke kann und muss man als absoluten Ausnahmekünstler bezeichnen.

Schon mit vier Jahren begann er auf allem herum zu trommeln, was ihm unter die Finger kam. Mit neun Jahren nahm er dann Unterricht und studierte später an der Musikhochschule Stuttgart.

Heute spielt er nicht einfach Schlagzeug, nein, er ist eher ein Rhythmusvirtuose der besonderen Art. Er macht alles, was irgendwie klingt zu einem Rhythmusinstrument und das in Perfektion. Da hat sich Barbara Dennerlein mit Musikern umgeben, die ihrem eigenen Können gerecht werden. Dennerlein, die nicht nur mit ihren scheinbar 40 Fingern auf der Orgel spielt sondern auch noch ihre Beine, hat sie zwei, vier oder gar sechs?

Virtuos, fast artistisch einsetzt, spielte Eigenkompositionen, die den Vergleich mit großen Jazzkomponisten der amerikanischen Südstaaten nicht zu scheuen brauchen. Ein fantastischer Jazzabend, der wiederholt werden sollte wie auch das Publikum meinte wenn es eine Zugabe nach der anderen forderte.