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Bullemänner im Ballenlager






Bullemänner im Ballenlager


Bullemänner im Ballenlager (WN)
Wenn der Westfale lachen will, geht er in den Keller – oder zu den Bullemännern. Am Samstag ging es nicht in den Keller, sondern in das bis auf den letzten Platz gefüllte Ballenlager, wo Augustin Upmann und Heinz Weißenberg ihr neuntes Programm „iKuh“ auf die Bühne brachten.

„iKuh“, das ist die westfälische Variante von Intelligenz, die, man ahnt es, etwas schwerfällig daher kommt. Aber wer die Geschichten aus dem fiktiven Dorf Suchtdrup hört, kann sich entspannt zurücklehnen nach dem Motto: Anderswo sieht es noch schlimmer aus. Denn schließlich hat Greven Gymnasium und Gesamtschule: „Richtig feine Bildungseinrichtungen – im Vergleich zu Mecklenburg-Vorpommern oder Reckenfeld.“

Überhaupt Reckenfeld: Seitdem Google Street View mit einem schwarzen Astra und Kamera durch die Straßen kurvt, bleibt nichts mehr geheim: „Reckenfeld ist schon drin, das ganze Elend ist jetzt im Internet zu sehen.“ Bücher und Bildung, das reicht für noch einen Kalauer aus der Reckenfelder Klischeekiste. „In Reckenfeld haben sie ihren Bücherschrank weggebombt, kein Wunder, war ja früher ein Munitionsdepot.“

Doch zurück zur Bildungsoffensive. Die schlägt in Suchtdrup weite Kreise. Die Straßen heißen jetzt „Zweiter Bildungsweg“, „Einsteinkamp“ oder „i-Pättken“, aus dem Fingernagelstudio wird „Nägel mit Köpfen“. Aber woher soll sie kommen, die Bildung? „Große Geister aus Westfalen? Da kamen nur Schnäpse!“ Solo, im Duett oder als Trio mit der ukrainischen Tastenfachkraft Svetlana Svoroba machen die Bullemänner einen Streifzug durch die Runkeltaiga, brillieren als pferdesüchtige Mädchen zwischen Flatrate-Voltigieren und Koma-Striegeln oder mit einem Vater-Sohn-Konflikt mit vertauschten Rollen: „Wer programmiert Dir den DVD-Rekorder, wenn ich mal nicht mehr bin?“

Und die Bullemänner sind selbst dann gut, wenn sie gar nicht auf der Bühne zu sehen sind. Eine Carmen-Aufführung nur mit Schüppe, Forke und Eimer, das ist kultureller Hochgenuss der besonderen Art. Am Ende der Suche nach Intelligenz in Westfalen steht das ernüchternde Fazit: „Die Krone der Schöpfung bist nicht du, die Krone der Schöpfung ist die Kuh!“ Zum Lachen geht es jetzt erst einmal wieder in den Keller.

Aber keine Angst, die Suchtdruper kommen wieder, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn die Bullemänner und das Publikum, das ist wie Panhas und Renate: „Jetzt is’ sie dich verfallen. Ich sie aber auch.“