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Carlos Nunes im Ballenlager






Carlos Nunes im Ballenlager


Carlos Núnez im Ballenlager (WN)
Manche Konzerte hinterlassen tiefe Spuren, „Alborada do Brasil“ mit dem aus Galizien stammenden Carlos Núnez am Samstagabend im fast ausverkauften Ballenlager gehört sicherlich dazu. Die Kulturinitiative hat nach fünf Jahren diesen Weltstar ohne Allüren, Meister des Flötenspiels und Virtuosen an der Gaita, dem galizischen Dudelsack, nach Greven geholt. Damit hat si sich selber und dem begeisterten Publikum ein wunderbares musikalisches Geschenk gemacht. An so ehrwürdigen Orten wie der Royal Albert Hall in London oder der Carnegie Hall in New York hat Carlos Núnez schon seine Musik erklingen lassen, im Ballenlager zeigte er sich charismatisch von seiner besten Seite.

Carlos Núnez hat sich auf den Weg gemacht, die keltischen Wurzeln Brasiliens zu entdecken. Seine Anknüpfungspunkte sind dünn, fügen sich am Ende aber nahtlos ein in den Klangkosmos des Mannes aus Galizien – brasilianische Rhythmen und deutsche Polka, japanische und keltische Musik. Er erzählte er von seiner Reise nach Brasilien, das Land, wohin es seinen Urgroßvater verschlagen hat und in das jeder Auswanderer seine eigene Musik mitgebracht hat. Mit »Alborada do Brasil« schlug er eine Brücke von der Grünen Insel und den schottischen Mooren zu Samba und Bossa Nova. Der temperamentvolle Musiker mit charismatischer Ausstrahlung schuf vom ersten Ton an einen intensiven Kontakt zum Publikum.

Bei seiner musikalischen Reise in die Geschichte wurde er begleitet von exzellenten Musikern, die mit Bravour und Finesse seine Ideen aufnahmen. Die irische Geigerin und Concertina-Spielerin Niamh Ni Charra mit ihrer warm tembrierten Stimme fühlte sich in dieser Formation spürbar wohl, glänzte bei den langsamen Balladen. Pancharo Alvarez spielt seit vielen Jahren mit Carlos Núnez. Ob an der Gitarre, der Bouzouki oder der Drehleier, immer fügte er der Musik von Carlos Núnez facettenreiche Klänge hinzu. Dessen jüngerer Bruder Xurxo Núnez sorgte mit Gespür für dramatische Momente für den percussiven Part, war dabei authentisch im musikalischen Dialog.

Grenzen überschritt Carlos Núnez mit seiner Musik, die keltische, irische, schottische und bretonische Elemente mit großer Natürlichkeit verband. Als Weltmusiker mit eigenem Profil interpretierte er selbst klassische Weisen wie den Bolero von Maurice Ravel mit unglaublicher Gefühlstiefe. Wenn Carlos Núnez zum Tanz aufspielte, folgten ihm einfach alle vom ländlichen Forro und Choro über Samba bis hin zur eleganten Bossa Nova.

Die Zuhörer ließen sich von dem Magier mit dem Dudelsack verzaubern. Man klatschte begeistert mit, schwelgte in der Poesie gefühlvoller Balladen, ließ sich treiben in der Energie überschäumender Weisen.