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Catherine und van’t Hof in der Kulturschmiede






Catherine und van’t Hof in der Kulturschmiede


Wer die Chemie zwischen Philip Catherine und Jasper van’t Hof nicht kennt, der lernt sie spätestens, wenn die Musiker anfangen, ganz ohne Töne Unterhaltung zu machen. Dem belgischen Jazz-Gitarristen sind abermals die Notenblätter durcheinander gewirbelt. Und sein niederländischer Kollege van’t Hof verdreht nur ulkig die Augen gen Publikum, um zu sagen: „Ach, lass den. Der ist immer so.“ Es ist der Habitus eines alten Ehepaares, das sich gegenseitig blind die Bälle zuspielt, ohne den anderen eines Blickes zu würdigen.

„Diese alten Freunde im Programm zu haben, ist ein Glücksfall“, hatte Christine Sörries, künstlerische Leiterin der Münsterlandfestivals, die beiden Fusion-Jazz-Künstler für ihren Auftritt in der restlos ausverkauften Kulturschmiede angekündigt. Wohl auch dank dieser Kooperation mit „pART 8“, der achten Ausgabe des hochklassig besetzten Festivals, konnte Grevens Kulturinitiative am Freitagabend mit Gitarrist Catherine und Pianist van‘t Hof zwei wirkliche Weltklasse-Vertreter ihres Fachs präsentieren. Tickets für das Konzert waren früh vergriffen.

Zu sehen und zu hören bekamen die Fans jenen impulsiven Rock-Jazz, den van’t Hof und Catherine in ihrer einstigen Band „Pork Pie“ gemeinsam mit Saxophonist Charlie Mariano miterfunden haben. Intensive Rock-Beats, zu denen kollektives Kopf- und Fußwippen im Publikum keine Seltenheit ist, paaren sich in diesem Genre mit der Verspieltheit der Jazz-Harmonik und einer Spur Funk-Rhythmen. Kurz gesagt: Fusion-Jazz par excellence.

In der Umsetzung las sich diese Musik am Freitag ganz verschieden. Mal wirklich laut, rockig-melodisch und witzig, dann wieder jazzig entrückt und in sich gekehrt. Mit fließenden Übergängen, sodass der Zuhörer kaum merkt, dass ein Thema das andere abgelöst hat. Konstante dieses Wechselspiels war und ist das beeindruckende Instrumentalspiel beider Musiker. Pianist van’t Hof, der dem Flügel manche Klänge abluchst, die man sonst nur von seinen elektronischen Stage-Pianos kennt. Und E-Gitarrist Catherine, der auch mal experimentell auf die Saiten klopft und in seine Gitarre versunken kaum hörbar Textzeilen mitbrabbelt.

Zusammen verschwimmen diese beiden Gegenpole an manchen Stellen zu einem klangmalerischen Gewirr, das aber rasch zum kernigen Fusion-Sound der Platte „Sleep my Love“ aus dem Jahr 1979 zurückfindet. Deren Stücke wie „Chrystal Balls“ oder „Five Pages“ machten auch am Freitag in der Schmiede das Gros des hinreißenden Programms aus und sorgten für frenetischen Applaus schon vor dem Schlussakkord. Nach mehrfachem Nachschlag mussten die Musiker schließlich eingestehen: „Wir haben keine Zugaben mehr.“ Das sagt alles über diesen Konzertabend.

 

Philip Catherine und Jasper van’t Hof in der Kulturschmiede (WN Kulturteil)

Es gibt sie also noch, diese Konzerte, die einfach nicht aufhören sollten. Deren Wellen sich fortsetzen, die Kreise ziehen, wenn der Stein längst auf dem Grund des Sees liegt. Jasper vant Hof und Philip Catherine warfen diesen Stein im Rahmen des Münsterland-Festivals in der Grevener Kulturinitiative. Der niederländische Pianist und der belgische Gitarrist spielten, ach was: brillierten annähernd zwei Stunden vor ausverkauftem Haus, dass es eine reine Freude war.

Mit „As Well“, witzigerweise auf Catherines handgeschriebener Setlist als „Ass Well“ deklariert, begann der fulminante Abend, mit „Pas de Deux“ endete er und dazwischen lag eine Traumlandschaft aus größtenteils harmonischen Arrangements aus früheren und aktuellen Schaffensphasen der beiden Jazz- und Jazz-Rock-Musiker, deren Wurzeln viel tiefer liegen, als es ihre bekannten Formationen „Pork Pie“ in den 1970ern und „Pili Pili“ in den frühen Achtzigern glauben machen.

Doch nicht nur aus dieser höchst erfolgreichen Zeit adaptierten vant Hof und Catherine, auch die beiden Anheizer „Christal Bells“ und „Lady Day“ – beide entstammen den 1996er Alben „Opera noir“ und „Sleep My Love“ der Feder Charly Marianos, der einst mit „Pili Pili“ gemeinsame Sache machte – wiesen den Weg: World Music, Jazz-Interpretationen und -Improvisationen. Die Arrangements waren getragen von einem begeisternden Miteinander, in dem der jeweils eine dem anderen den Boden bereitete, seine Soli einzustreuen. Eines, das auch lange, lange nach dem Konzert nachwirkt: Schön, dass es solche Konzerte noch gibt, die in Gedanken noch längst nicht beendet sind, wenn man darüber schreibt.