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Die Buschtrommel in der Kulturschmiede






Die Buschtrommel in der Kulturschmiede


Die Buschtrommel in der Kulturschmiede (WN)
Zwei Männer in Anzug kommen auf die Bühne. Der eine trägt ein grünes T-Shirt, der andere ein rotes. An sich ist diese Situation nicht allzu komisch. Ludger Wilhelm und Andreas Breiing – besser bekannt als „Die Buschtrommel“ – entlocken allerdings ihrem Publikum in der Kulturschmiede direkt die ersten Lacher, bevor überhaupt ein Wort gefallen ist. Es mag an dem Charme der beiden liegen, vielleicht an der übertriebenen Mimik, oder einfach an der Tatsache, dass die Fans des politischen Kabaretts bestens aufgelegt sind. „Unterhaltsam, nachdenklich und anregend“ will das Duo mit dem neuen Programm „Tunnel am Ende des Lichts“ sein, so die Ankündigung. Es darf schon einmal vorweg genommen werden, dass alle Aspekte am Samstagabend zur Genüge erfüllt wurden.

Wenn Bankräuber nach getaner Arbeit mit Schulden nach Hause gehen und die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner nur noch als Düngemittelvertreterin bekannt ist, dann bietet der Wirtschafts- und Politikdschungel genug Ressourcen, den ganzen Abend damit zu füllen. Zunächst noch etwas schleppend mit langen Dialogen, kamen die Kabarettisten von Pointe zu Pointe besser in Schwung.

Sie traten zwar überwiegend als Duo auf, die überzeugendsten Einlagen lieferten Ludger Wilhelm und Andreas Breiing jedoch, als sie jeweils alleine auf der Bühne standen und authentisch in andere Rollen schlüpften. Unverkennbar bedienten sie sich an der Stereotypenbar. Passend zum umgangssprachlichen Kietzdeutsch kleidete sich Ludger Wilhelm mit einem – dezent gesagt – hässlich lässigen Jogginganzug, der seine schmuckvolle Goldkette ins rechte Licht setzte. Andreas Breiing trat als schmieriger Politiker mit einer Wahlkampfrede auf, gewidmet dem Kulturgut der Deutschen, dem Bier. Mit einer parodierten Fassung von „Dinner for One“ trieb er dem Publikum die Tränen in die Augen.

Nicht nur an dieser Stelle wurde deutlich, was die Buschtrommel als gutes Kabarett besonders ausmacht, nämlich die Improvisationskünste und die Einbeziehung des Publikums. „Birgit und der Mann mit dem spärlichen Haupthaar“, aber auch die Reporterin, die vor Lachen einige Bilder verwackelte, mussten sich vor witzelnden Sprüchen besonders in Acht nehmen. Die Kabarettisten schwärmten von Gammelfleisch, „obwohl die Sache ja eigentlich schon längst gegessen ist“, und analysierten als Experten vom Verfassungsschutz die Strategie der FDP alias „Fast-Drei-Prozent-Partei“. Mal zutiefst beleidigt dem Publikum ein mitleidvolles „Ohh“ entlockend, mal energievoll herumspringend, wurden die Problemlöser der Politik auf die Schippe genommen. „Wie wäre es, wenn Sie nur so mal einen Tag Australien bei der Kontinentalverschiebung oder der Farbe beim Trocknen zugucken?“

Auch wenn sich solche Sätze im ersten Moment wie der größte Schwachsinn anhören, utopische Wünsche nach einer Veränderung der Welt stimmten doch nachdenklich. Besonders treffend kam nach dieser kleinen Lachpause, die dem Zwerchfell eine kurze Entspannung gönnte, ein absolutes Highlight an. Es wurde nicht getrommelt, sondern scheußlich dissonant gesungen. Welche Region von dem Duo in Holzpantinen hymnisch besungen wurde, war schnell klar. „Wo sind die Frauen schöner als Pferde und wo ist Toleranz zwar zu Hause, werden Rheinländer aber rausgeschmissen?“ Richtig, im Münsterland, welches von der „Buschtrommel“ charmant in das „Land der Gülle und Schweine“ umbenannt wurde.

Die Kabarettisten blieben ihrer Art treu und verabschiedeten sich politisch mit dem Aufruf zur Wahl von Claudia Roth als Verteidigungsministerin: „Die schreckt schließlich ab!“