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Dr. Martin Dziersk im Ballenlager (Teil 1)






Dr. Martin Dziersk im Ballenlager (Teil 1)


* – dieses kleine hoch gestellte Schriftzeichen heißt Asterisk. Ein kleiner Stern, ein Star. Wie der fast gleichnamige Asterix, der Held aus den beliebten Comics von Goscinny und Uderzo. Das Schriftzeichen kommt übrigens durchaus als solches in den Bänden vor, besonders dann, wenn die Piraten mal wieder über den Untergang ihres Schiffes fluchen.

Nun gehört nicht viel dazu, den kleinen, dank Zaubertrank superstarken Gallier als den Star der Bildergeschichten zu erkennen. Die kolorierten Zeichnungen und Texte sind allerdings darüber hinaus eine wahre Fundgrube nicht ganz so offensichtlicher Bezugnahmen, Zitate und hintergründiger Späße. Auf eine Reise in die Tiefen dieser Kult-Comics nahm der Grevener Kunsthistoriker und bildende Künstler Dr. Hans-Martin Dziersk am Freitag 250 Besucher seines Bildvortrags „Die spinnen, die Römer . . .“ mit. Er eröffnete damit im Ballenlager das Jahresprogramm der Kulturinitiative, in dessen Verlauf er noch etliche weitere Male ans Rednerpult treten wird.

Römer verkloppen und immer einen flotten Spruch auf den Lippen, das ist bei Asterix und seinem Freund, dem Hinkelstein tragenden und Wildschwein verschlingendem Obelix, nur die Oberfläche, die erste Ebene der Unterhaltung. Was Dziersk darunter zu Tage förderte, hielt sein Publikum in einem fortwährendenden Kichern und Lachen. Da wäre zum Beispiel gleich auf der ersten Seite, auf der Übersichtskarte, das römische Feldlager Babaorum, das mit seinen Pendants das kleine gallische Dorf umzingelt. „Babaorum“ klingt zunächst schön lateinisch, wie die antiken Römer sprachen. In hellem und dunklem Braun steht das symbolische Rundzelt da, mit roter Kugel auf der Spitze – und sieht aus wie der französische Napfkuchen „baba au rhum“, dessen rumgetränkten Hefeleib mitunter eine Kirsche krönt. Zum Vernaschen, auch für Asterix und seine Gallier. Ein anderes römisches Lager in den seit 1967 auf Deutsch erscheinenden Bänden trägt mit ganz aktuellem Bezug den Namen „Actienbum“. Pferdegespanne, die Tempolimits überschreiten, Leuchtreklame mit Öllampen, in Frakturschrift sprechende Goten (Germanen) – Dziersk förderte Dutzende Details zutage, die für Heiterkeit in den Reihen sorgten.

Als Kunsthistoriker ließ er die Zuhörer teilhaben an seinem besonders genauen Blick auf Entlehnungen und Übernahmen. Aus dem Band „Asterix in Rom“ etwa präsentierte Dziersk eine Szene auf dem Sklavenmarkt, die einer Zitatensammlung aus der klassischen Kunstgeschichte gleich kommt. Zu entdecken sind unter fachkundiger Anleitung: die Skulptur „Der Denker“ von Rodin (1882), der Apollon aus dem Zeustempel von Olympia, die Laokoon-Gruppe aus den Vatikanischen Museen und der Hermes mit dem Dionysos-Knaben, allerdings im Comic um die abgebrochenen Arme und Beine ergänzt. Nicht nur geschichtssicher ist Asterix, sondern auch aktuell, wies Dziersk leicht nach: Im Band „Asterix bei den olympischen Spielen“ lässt er von der Konkurrenz Zaubertrank stehlen, färbt ihn aber zuvor ein – bunte Zungen der Athleten als erster Dopingtest.

Der amüsante Vortrag, für den Dr. Hans-Martin Dziersk allein die Stimme und große Projektionen auf der Leinwand reichten, war unterm Strich eine mehr als zweistündige Einladung, die alten Comics wieder vom Dachboden zu holen und neu zu entdecken. Auch er selbst, gestand er nach dem Schlussapplaus, entdecke immer noch Neues.