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Eure Mütter im Ballenlager






Eure Mütter im Ballenlager


Eure Mütter im Ballenlager (WN)
Um es gleich vorweg zu sagen: Wer am Samstagabend im nahezu ausverkauften Ballenlager klassisches, scharfkantiges Politkabarett erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Denn das Comedy-Trio „Eure Mütter“ machte dem Namen seines Programms „Nix da Leck mich Auf geht´s“ alle Ehre. Keine Politik, sondern die Absurditäten des Alltags und ganz speziell all dessen, was sonst unter Boxershorts, Schlüpfern und BHs verborgen bleibt, standen im Mittelpunkt der mit Situationskomik und musikalischen Einlagen gespickten Bühnenshow der drei Stuttgarter Komödianten. Nichts für zart besaitete Gemüter. „Eure Mütter sind anders als andere“, hatte KI-Vize-Chef Werner Jacobs bereits vor Beginn der Vorstellung durchblicken lassen, was die rund 400 Zuschauer, zu denen Fans der Gruppe aus ganz Deutschland zählten, erwartete. Und als die drei neuen Muttertiere des Auditoriums nach vorangegangener Bitte, Selbstverbrennungen und Ritualmorde doch gefälligst zu vermeiden, ins Rampenlicht traten, da tobte ein Großteil des Saales bereits, obwohl noch nichts Aufregendes passiert war.

Dieses Vakuum füllten „Eure Mütter“ schnell. Ein Lied über Winterreifen, bei dem der italienisch angehauchte Donato Svezia mal eben einen Drehmomentschlüssel musikalisch zweckentfremdete, steuerte passgenau auf die Thematik des Abends zu: Ob er keine Kondome benötige? „Ich hab mein Gummi schon seit letztem Winter drauf“, folgte die Antwort von Kollege Matthias Weinmann, und mit ihr ähnliche Analogien auf die männliche Fruchtbarkeit, auf Sex und Unterhosen, die sich zufälligerweise Emsdettener über den Kopf ziehen. Das Fazit: „Schön ist das nicht“, sangen und tanzten die drei Comedians auf – zugegeben – beeindruckende Weise.

Mit atemberaubendem Tempo ging es weiter: Das Porno-Zeitalter und der männliche Voyeurismus bekamen ihr Fett weg. Gesellschaftskritik, umgesetzt mal schauspielerisch-chaotisch, dann wieder instrumental und experimentierfreudig. Immer dabei: Das derbe Vokabular. „Soll ich mir die Nüsse stutzen?“ Die Frage von Ensemblemitglied Andreas Kraus nach der Intimrasur: Ein Beispiel von vielen.

Ebenfalls dabei: Ein Pinkelkonzert frei nach Beethovens „Ode an die Freude“ oder etwa die Warnung vor Frauen, die allzu hemmungslos stricken.

Und als nach einer Einlage an der „Siamesischen Drillingsgitarre“ die Zeit des Abschieds kam, gab´s nochmals ein paar Synonyme für das beste Stück des Mannes oben drauf. Für manch einen sind „Zitteraal“ und „Fleischkapatsche“ vielleicht nicht die passenden Ausdrücke, für das Publikum im Ballenlager aber allemal. Das nämlich tobte. Bis zum Schluss.