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Funke und Rüther in der Kulturschmiede






Funke und Rüther in der Kulturschmiede


Funke und Rüther in der Kulturschmiede (WN)

Sie haben gerade eine Stunde zu wenig geschlafen. Sie essen 90 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Sie verbringen 208 Minuten täglich vor dem Fernseher. Sie, als deutsche Frau, nehmen 20 Kilo mehr Obst als der männliche Teil der Bevölkerung zu sich. Und Sie, der deutsche Mann, trinken jährlich 316 Gläser mehr Alkohol als eine Frau. Das glauben Sie nicht? Jochen Rüther weiß es aber zu beweisen und „nennt schließlich Fakten“.

Am Samstagabend lieferten sich die Vorzeigekabarettisten Jochen Rüther und Harald Funke mit ihrem aktuellen Programm „Scharf gemacht“ Wortgefechte auf höchstem Niveau in der Kulturschmiede. Die 150 Grevener Zuschauer wurden zu den einzigen zurechnungsfähigen Bürgern der Bundesrepublik ernannt. Nachdem auch klargestellt worden war, dass „die deutsche Frau Sabine und der deutsche Mann Thomas heißt“ – und wie zufällig auch nur Personen mit diesen Vornamen im ausverkaufen Saal waren – fiel es nicht schwer, das Publikum als durchschnittliche Deutsche einzustufen. Minutiös genau wurde folglich der Alltag von Sabine und Thomas erläutert.

Irrwitzige Gesten und Mimik unterstrichen zusammen mit manchmal undefinierbaren Stimmlagen die Gags und Pointen, die ohne Unterbrechung auf das Grevener Publikum einrieselten.

Die Darsteller des legendären Kabaretts „Die kleinen Mäxe“ bahnten sich kleine Trampelpfade durch die Komplexität mancher Themen. So wurde den staunenden Zuschauern mit scharfsinnigem Wortwitz die Finanzwelt erklärt. Dabei stellte sich heraus: „Die Lehmann-Brüder sitzen gar nicht beim Männer-Gesangverein nebenan im Ballenlager, sondern befinden sich hier unter uns.“

Mit genialen Überleitungen schafften Funke und Rüther die gewaltigen Sprünge zwischen Geldwelt und Frühstücksbrötchen oder dem deutschen Schulsystem und dem Klimawandel.

„Wenn die Deutschen die dicksten Europäer sind, engagiere ich mich persönlich“, so Harald Funke, der mit Blick auf seinen eigenen Körper verblüffende Auswirkungen auf die Energieversorgung sieht. „Das Bauchfett ist ein nachwachsender Rohstoff.“ Destilliertes Fett kann somit die Energieknappheit bekämpfen.

Erstaunliche Fakten, bissige Argumente und aktuelle Beispiele unterstützten die perfekte schauspielerische Zusammenarbeit des Duos. In Kombination mit irrsinnig witzigen Musikbeiträgen wurden auch Politiker wie Angie, Guido und Co. auf den Arm genommen. Dabei schlüpften die Kabarettisten in die Rollen eines Opernsängers, Rappers oder Kinderstars.

Als sich nach über zweistündigem Auftritt der „Durchschnittstag“ von Sabine und Thomas leider dem Ende zu neigte, wurden sie von einem begeistert klatschenden Publikum in den Schlaf geleitet.

 

Funke und Rüther in der Kulturschmiede (GZ)

Funke und Rüther sind auf der Suche nach dem Heiland. Immer noch und immer wieder, und am Samstagabend auch unter den Besuchern der Kulturschmiede – “die letzten 150 zurechnungsfähigen Deutschen” – in Greven.

Sie wollen mit einer mehrheitsfähigen Galionsfigur Deutschland aus der Krise der Parteiendemokratie führen. Das kabarettistische Programm dazu heißt “Scharf gemacht”, die Munition für das politisch unkorrekte Pointen-Schützenfest liefern aktuelle Statistiken.

Im Funke & Rüther-Paar sind die Rollen klar verteilt: Jochen Rüther ist der Theoretiker, der alle Zahlen von seinem Smartphone herunterbeten kann. Harald Funke ist im wirklichen Leben verwurzelt und muss immer wieder feststellen, wie sehr oder wie wenig sein Leben mit dem Durchschnitt gemein hat.

Das Duo teilte lustvoll aus: Dass man Kurt Beck abgesägt habe, sei ein Fehler gewesen, denn er sei wenigstens mehrheitsfähig gewesen – ihn hätten alle doof gefunden. Außerdem sei es die falsche Frage, warum Jürgen W. Möllemann damals gesprungen sei. Vielmehr müsse man fragen, warum Guido nicht springe. Und Horst Seehofer sei durchaus ein idealer bayerischer Landesvater. Bei seinen vielen Kindern …

Die Suche nach dem Durchschnittsdeutschen wuchs ins lokale Publikum. Thomas und Sabine sind die häufigsten Namen, also hatte Nils aus der ersten Reihe keine Chance, zur deutschen Lichtgestalt aufzusteigen.

Übergewichtige sind auch aus dem Rennen, obwohl sich nach neuesten Forschungen Treibstoff aus Fett destillieren lässt. Funkes Schmerbauch wäre also nachwachsender Rohstoff.

Kein aktuelles Nachrichtenthema wurde ausgespart, Discounter, Hauptschulen, Depressionen und Doping (“Spritzenleistung”) wurden ausführlich abgehandelt. Dabei machte besonders Harald Funke vor Kalauern nicht halt, doch selbst in den Niederungen des Humors haben Funke & Rüther mehr Niveau als manches Comedy-Format.

Nur die deutsche Lichtgestalt, die wollte nicht erscheinen. Aber das liegt wohl daran, dass jeder Mensch besser als die Statistik ist. Ein fast versöhnlicher Abschluss. Und ein viel beklatschter.