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Hannes Wader im Ballenlager






Hannes Wader im Ballenlager


Hannes Wader im Ballenlager

Hannes Wader im Ballenlager

 

Hannes Wader im Ballenlager (WN)
Er hat immer noch so viel zu sagen, seine Worte gehen tief unter die Haut und bewegen die Seele. Hannes Wader ist mit seinen 68 Jahren immer noch einer der ganz großen Lyriker, ein Politbarde, Revolutionär und Traditionalist gleichermaßen. Wenn er wie am Samstag im übervollen Ballenlager seine Stimme erhob, lauschten ihm nicht nur die treu gebliebenen Fans, auch ganz viele junge Menschen wollten dieser Ikone deutscher Liedermacher einmal persönlich begegnen.

Er hat mit seinen Liedern und Konzerten Geschichte geschrieben, gleich seinen Freunden und Weggefährten Reinhard Mey und Konstantin Wecker den Kampf um Frieden und Gerechtigkeit nie aufgegeben. Bei seinem Konzert bot er einen Querschnitt aus über 40 Jahren, reiste gemeinsam mit den versammelten Freunden bester handgemachter Musik von alten Zeiten im Bielefelder „Bunker“ über die bewegten Jahre in Berlin bis in seine Schleswig-Holsteinische Wahlheimat. Mit seinem legendären „Heute hier, morgen dort“ eröffnete er den tiefen Einblick in sein Fühlen und Denken, in sein von persönlichen Begegnungen bestimmtes Lebenswerk. Er war an diesem Abend Nachtschwärmer beim „Lied von den Mädchen in den Schenken“, ein alter Kämpfer, der mit den „Moorsoldaten“ mit dem Spaten ins Moor zog. Seine Gedanken waren ebenso frei wie die der Widerstandskämpfer in Zeiten der Französischen Revolution. Hannes Wader sang Lieder von der Sehnsucht, Balladen der Melancholie und schenkte den Menschen im Ballenlager eine inspirierende Begegnung mit fünf Jahrzehnten deutscher und auch ganz persönlicher Geschichte. Melodien von Pete Seeger mit eigenen Texten wie bei „Seit Ewigkeiten“ zeigten ihn als Barden mit Weltsicht, der sich nie mit den scheinbar ganz klaren Antworten zufrieden gegeben hat und statt dessen lieber unangenehme, weil ehrliche, Fragen stellte.

„Trotz alledem“ war er immer noch auf seinem ganz persönlichen Weg zu den Herzen der Menschen, die an diesem Abend nicht genug bekommen konnten von seiner Musik.

Mit exquisitem Gitarrenspiel untermalt erklangen „uralte“ Lieder wie „Die Ballade von der Hanna Cash“, „Zimmermann“ und „Charly“, ließ man die Gedanken entfliehen bei den französischen Chansons wie dem „Les feuilles mortes“ nach den Versen von Jacques Prévert. Politische Lieder wie „Die Mine“ erklangen mit starker Gefühlstiefe, rief er mit „Was keiner wagt“ von Konstantin Wecker zum Widerstand gegen die Gleichschaltung auf.

So etwas Bewegendes macht Hannes Wader so schnell keiner der übrigen Liedermacher nach. Seine „Wilden Schwäne“ werden noch lange durch die Lüfte ziehen, auch wenn die Zeiten sich geändert haben. In den Zugaben ging es noch einmal ganz weit durch die Zeit zurück, spürte man die Liebe von Hannes Wader zu den plattdeutschen Liedern mit all ihrer Natürlichkeit. Man kann sich nach solch einem wunderbaren Abend nur bei der KI bedanken, die solch einen sympathischen Künstler nach Greven geholt hat. Hannes Wader kann man nur wünschen, dass er noch lange auf seinem Weg bleibt, authentisch und glaubhaft.

 

Hannes Wader im Ballenlager (GZ)
Den Mann kennt fast jeder, zumindest vom Namen her: Hannes Wader ist Deutschlands wohl bekanntester Liedermacher. Am Freitagabend schaute er in Greven vorbei.

Ausverkauft war das Ballenlager am Freitagabend. Klar, wenn die Kultur-Initiative Greven eine solch bekannte Figur wie Hannes Wader präsentiert, dann kommen die Leute. Ihn wollen sie alle sehen und hören. Der letzte Auftritt Waders in Greven liegt neun Jahre zurück, und auch damals galt der Mann schon als „Urgestein“. Das ist er heute erst recht, aber was soll’s: Manche Künstler haben eben kein Verfallsdatum.

Nach seinem bekannten Eröffnungsstück „Heute hier, morgen dort“ – das spielt er seit gefühlten Ewigkeiten stets zu Beginn seiner Auftritte – sagte der mittlerweile 68- jährige Sänger, dass es schön sei, mal wieder in Greven zu sein. Das fand sein Publikum auch, die Chemie zwischen Sender und Empfänger, sie stimmte sofort.

Das weitere Programm des Liedermachers war eine Mischung aus Stücken von anderen, sowohl deutschen als auch internationalen Künstlern und eigenen Werken. Auffällig dabei die vielen Anekdoten, die Wader zu dem Gespielten beizusteuern wusste. So plauderte er bei dem Lied „Charly“ über den Held seiner Jugend, der „eigentlich gar nicht Charly hieß, „wir nannten ihn Joe, aber so hieß er auch nicht, er hieß Axel.“

Bei all den kleinen Geschichten, die der Sänger zum Besten gab, konnte man eines feststellen: Das Leben des Künstlers kann nicht von seinen Werken getrennt betrachtet werden. Mögen Germanisten noch so gebetsmühlenartig behaupten, die Figur des Literaten sei nicht die literarische Figur. Ein Hannes Wader nimmt darauf keine Rücksicht.

Auch zu den Stücken anderer Liedermacher-Kollegen – früher hätte Wader sie Genossen genannt – wusste er Erhellendes zu berichten, ob es nun die Herkunft des Songs, die Umstände, unter denen er ihn das erste Mal gehört hatte, waren oder, dass er den Text selbst ins Deutsche übersetzt hatte. Zu allem gab es kleine Geschichten.

Warum er so viele Lieder anderer Musiker sang? Sie gefallen ihm einfach. Wader: „Deshalb habe ich das gemacht, was ich meistens mache, wenn mir ein Lied gefällt: Ich habe es gesungen.“ Das sei überaus praktisch: „Dann muss ich es nicht mehr selber schreiben.“

Und so führte der Liedermacher sein treues Publikum nur mit seiner Gitarre, seinem Gesang und seinen Geschichten und ganz ohne die großen Showelemente durch den Abend. Der langanhaltenden Applaus am Ende des Programms zeigte, dass ein solchermaßen entschleunigter Abend genau das war, was die Menschen von einem Hannes Wader auch anno 2011 erwarten.