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Hans Georgi in der Stadtbibliothek






Hans Georgi in der Stadtbibliothek


Hans Georgi in der Stadtbibliothek (WN)
Erich Kästner? Ja klar, wer kennt ihn nicht, den Autor von Geschichten wie dem „Doppelten Lottchen“ oder „Emil und die Detektive“? Doch dass der 1899 geborene Schriftsteller viel mehr gemacht hat als Kinderbücher zu schreiben ist weniger bekannt. Mit Kästners zugleich humorvollen wie zeit- und gesellschaftskritischen Gedichten füllte der Kabarettist Hans Georgi einen ganzen Abend auf hohem Niveau in der Grevener Stadtbibliothek, zu dem Egon Koling im Namen der Kulturinitiative und der Bücherei rund 150 Zuschauerbegrüßte. „Die Veranstaltung fügt sich gut ein in unser Spektrum, da wir uns immer um ein vielschichtiges Programm bemühen“, sagte er.

Georgi hat sich mit seinem Programm „Die Welt ist rund – Erich Kästner für Erwachsene“ auf die Fahnen geschrieben, die andere Seite des Schriftstellers zu zeigen – und erfüllte damit alle Erwartungen virtuos. Sehr frei, geübt und mit guter Betonung trug er Kästners hintergründige Lyrik vor. Mal sprach er sie und mal sang er sie mit musikalischer Begleitung seines Klaviers sowie seines Assistenten Meinolf Bauschulte. Wie abwechslungsreich sein Programm ist, bewies er dann jedoch endgültig, als er sich zwischendurch mal schnell verkleidete und zum Beispiel in die Rolle des von Kästner geschaffenen Professor Bumke, der den „synthetischen Menschen“ in 14 Tagen kreieren will, schlüpfte. Dabei feuerte er stets viele Pointen in feinsinniger Verpackung ab, die niveauvoll unterhielten und auch manchmal das Vorwissen der Zuschauer zum Verständnis erforderten.

Doch die hintergründigen Texte regten auch zum Nachdenken an. So stellte Georgi die hohe Aktualität der Kästner’schen Texte heraus und verknüpfte deren Aussagen mit tagespolitischen Ereignissen. Zwischendurch spickte Georgi seinen Vortrag stets mit allerlei Anekdoten und Fakten aus Kästners Leben und dem geschichtlichen Kontext seiner Werke. Dadurch schaffte er es, die vielen verschiedenen Kästner-Gedichte sinnvoll miteinander zu verknüpfen anstatt sie nur reihenweise abzuhandeln.

„Kästners Ansichten wurden nie von allen geteilt“, machte Hans Georgi zu Beginn seines Musik-Kabaretts deutlich. So führte er den Zuschauern beispielsweise anhand des Gedichtes „Riesenspielzeug“ schnell vor Augen, wie gesellschaftskritisch der Schriftsteller zu Zeiten der von Arbeitslosigkeit geplagten Weimarer Republik dachte und bewies, dass Kästner ein Vordenker war. „Wir sollen Kinder fabrizieren zum Löhne senken und Krieg verlieren“, zitierte Georgi den 1974 verstorbenen Schriftsteller und zeigte so, dass Kästner genau so sehr ein kritischer Geist war wie ein Kinderbuchautor.