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Horst Schroth im Ballenlager






Horst Schroth im Ballenlager


Eigentlich darf er sich ja nicht aufregen. Ruhe hat ihm der Arzt verordnet: „Seit Jahren Marcumar-Patient?.?.?.“, erklärt der Oberstudienrat gleich zu Anfang. Doch Olaf Laux ist da bereits auf hundertachtzig. Schon seine Ankunft in Greven wird zum puren Stress. Die Tür reißt auf, der Pauker mit schütterem Haar hetzt kurzatmig Richtung Pult, das Handy am Ohr. „Unsere neue Schulleiterin“, stöhnt Laux.

Vor Schulklassen stand er schon, als noch niemand auch nur an Handys dachte. Im Spätherbst seiner Lehrer-Karriere zieht Olaf Laux nun Bilanz. Mit seinem Programm „Null Fehler – Lehrer Laux. Das Comeback“ gastierte Kabarett-Urgestein Horst Schroth, bekannt aus „Scheibenwischer“, „Mitternachtsspitzen“ und Co., am Freitag auf Einladung der Kulturinitiative im Ballenlager.

In seiner Paraderolle als Deutsch- und Geschichtspauker Olaf Laux bot Schroth großartige Unterhaltung für jene, die sich für Kuriositäten, Anekdoten und den alltäglichen Wahnsinn aus dem Schulleben interessieren. Erfahrungsgemäß sind das alle, denn die Penne hat schließlich jeder mal besucht. Manche sogar fast ihr ganzes Leben lang – so, wie Olaf Laux. Er hat in 40 Berufsjahren alles gesehen, zumindest alles zwischen Pausenhof und Physik-Raum, zwischen Sporthalle und Aula. Und für sich den Entschluss gefasst: „Ich zieh mein Ding durch – bis zum allerletzten Klingelton!“ Früh-Pensionierung wie bei ausgebrannten Kollegen? Kommt für ihn nicht in die Tüte.

Laux‘ Stärke ist die knallharte Analyse: Von den Eigenarten der heutigen Schüler-Generation über verfehlte Bildungspolitik bis hin zu Skandälchen aus dem Lehrerzimmer geht es quer durch den Garten. Besonders im Fokus: Die Frage, wie er denn nun ist, der Lehrer an sich? „Im Berufe-Ranking kommen wir direkt nach Bänkern, Bischöfen und Serienmördern“, konstatiert er. Nach und nach seziert Laux alias Schroth die Klischees, mit denen Pädagogen zu kämpfen haben. Eines der harmloseren: mieser Kleidungsstil! „Wenn Sie sehen, wie Schülerinnen heutzutage im Sommer in den Unterricht kommen, können Sie froh sein, dass wir überhaupt noch was anhaben“, teufelt Laux und deutet fast stolz auf ­sein allerdings wirklich eigenwilliges Outfit aus roter Cordhose und Holzfällerhemd. Andererseits: Es gibt Schlimmeres als modische Verirrungen. „Helikopter-Eltern“ zum Beispiel. Was das ist? „Die stillen ihre Kinder bis kurz vor der Einschulung, bringen sie täglich mit dem Geländewagen bis vor die Tür und schalten bei jeder Gelegenheit ihren Anwalt ein“, ätzt Laux.

Spätestens da ist es mit der ärztlichen Empfehlung, die Contenance zu wahren, endgültig vorbei. Einmal in Fahrt, legt der Oberstudienrat nach. Im Visier: die Bildungspolitik. „Das Wort Schulreform kann ich nicht mehr hören“, redet er sich in Rage. G8, G9, PISA-Studien und ihre Konsequenzen – das ist zu viel für einen Pauker vom alten Schlag, der fordert: „Lasst uns doch einfach mal in Ruhe unterrichten!“ Einer der vielen Momente, in denen es Extra-Applaus gibt: nicht zuletzt, weil der Lehrer-Anteil im Publikum enorm hoch ist. Laux plaudert aus dem Nähkästchen: Eskalierende Rollenspiele im Geschichtskurs, Kollegen mit vermeintlich laxen Fächerkombinationen („Kunst und Sport – das lebende Vorurteil“), Schulleiter, die kommen und gehen – nichts ist dem Alt-68er erspart geblieben. In geradezu melancholische Stimmung verfällt er am Ende beim Gedanken daran, was seinen Ex-Schülern von ihm in Erinnerung bleiben soll: „Ich möchte, dass sie bei ihrem goldenen Abi-Jubiläum sagen: ‚Langweilig war‘s mit dem Laux nie.“ Am Freitagabend gewiss auch nicht.