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Impro 005 im Ballenlager






Impro 005 im Ballenlager


Impro 005 im Ballenlager (WN)
Ob Meike es gewusst hat, auf was sie sich einließ, als sie sich eben jenen Platz in der ersten Reihe erwählte? Man weiß es nicht. Fest steht: Der Samstagabend im Ballenlager wird Meike als einer der anstrengenderen in Erinnerung bleiben. „Du da mit dem Glas in der Hand bist jetzt unsere Wellenfrau“, hatte Impro-Künstler Marcel Kaiser sie unvermittelt angesprochen. Und Nein-Sagen – das konnte sie nicht, die Meike mit dem Wasserglas, nicht an einem solchen Theaterabend, „der doch davon lebt, das alle mitmachen“, wie es KI-Chef Egon Koling vorab verraten hatte.

Und so war sie verpflichtet in ihrem Amt. „Einem Ehrenamt, das du wuppen wirst“, ermutigte der Impro-Schauspieler sie noch einmal. Und Meike wuppte es, das Anbrechen der Laolawelle, das Reiten auf der Stimmungshöhe, nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer wieder. Wenn die witzigen, originellen Szenen auf der Bühne so lustig wurden, dass die Zuschauer es nicht mehr aushalten konnten, musste sie einfach her, diese Welle durchs Publikum. Eine Welle der Euphorie. Ob Meike wollte oder nicht.

Dass Ja zu sagen, spontan zu sein, nicht nur für die Schauspieler Grundeinstellung beim Improtheater ist, das lernte nicht nur Wellenfrau Meike beim Auftritt des in der Region bestens bekannten, aus Münster stammenden Impro-005-Ensembles. „Wir tun fast alles, was ihr uns sagt.“ Mit dieser kurzen Regel brachte Akteurin Irmhild Willenbrink den Grundgedanken von Impro 005 auf den Punkt: Die Zuschauer spielen Regie, setzen die Themen, bestellen die Kulisse und steuern manches Mal sogar die Bewegungen des Impro-Quintetts. Auch die Grevener genossen am Samstag diese Privilegien.

Was als Endprodukt herauskam, war lustiger Klamauk, weniger Politwitz, sondern vornehmlich Situationskomik, wie man sie nicht planen kann und will, weil sie von ihrer Spontanität und ihren Widersprüchen lebt. Da paart sich etwa in einer Reithalle die übersteigerte Liebe der Frau mit dem Gefühl von Hass des Mannes. Sie schmachtet ihn an, obwohl er sie zur Schnecke macht. Dann ein Fingerschnipsen. Die gleiche Szene. Ein neues Gefühl. Eine völlig andere Konstellation.

Vor allem von diesen rasanten Wechseln zwischen Gefühlen, Genres und Themen lebte dieser Improabend, ergänzt durch die starke Gestik und Mimik von Impro 005. Untermalt wurde all das von Musiker Marcus Fischer, der den ersten Kuss eines Zuschauerpaares auf der Bühne in einen Stars-Wars-artigen Technik-Ton setzte oder etwa einen „Grand Prix du Monde de la Chanson“ für seine Schauspielkollegen begleitete. Am besten bleiben allerdings die kruden Momente, in denen sich beispielsweise eine Selbsthilfegruppe von „anonymen Lehrern“ trifft, um im Stile eines Alkoholikertreffs den eigenen Job zu verarbeiten. Erst auf holländischen mit Joint und ganz zum Schluss als ausgeflippte Heavy Metaller. Spätestens da wusste Wellenfrau Meike wieder, was zu tun war.