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Katja Ebstein im Ballenlager






Katja Ebstein im Ballenlager


Katja Ebstein im Ballenlager (WN)
Seit „Wunder gibt es immer wieder“ und den Erfolgen beim Grand Prix d‘Eurovision de la Chanson ist vielleicht sehr viel Zeit vergangen, aber Katja Ebstein ist sich immer treu geblieben. So wurde ihr Konzert „Na und … wir leben noch“ am Sonntag im Ballenlager zu einem ganz bewegenden Erlebnis, das den fast 200 Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Dieser anspruchsvolle Lieder- und Rezitationsabend brauchte keine äußeren Effekte, Katja Ebstein beschränkte sich auf das wirklich Wesentliche. Am Flügel wurde sie von dem versierten Pianisten René Randrianarisoa begleitet, der mit seinem Spiel jedem Lied das passende Gewand gab. Ansonsten reichten die Präsenz und die charismatische Ausstrahlung von Katja Ebstein. Mit schlichten Gesten und warm timbrierter Stimme rüttelte sie auf, machte Mut. gab Kraft und auch Trost.

Bei den politisch-kritischen Texten spürte man ihre ganzen Erfahrungen, Katja Ebstein hat sich nie für den schnellen und leichten Weg entschieden. Sie zeigte sich als authentische Künstlerin, die das lebt was, sie singt. Mit ihrer typischen „Berliner Schnauze“ erreichte sie einfach die Herzen aller. Mit Hans Dieter Hüschs „Ich sing für die Verrückten“ zeigte sie sofort ihre besondere Intention für den Abend, der eben nicht die gewohnte reine Unterhaltung bot. „Hochverehrtes Publikum“ von Kurt Tucholski rezitierte sie ausdrucksstark für ein Publikum. das ihr in Poesie, Chanson, Kabarett und Satire gefasstes gesellschaftskritische Engagement verstand.

Bei der Auswahl der Lieder ihrer musikalischen Weggefährten zeigte Katja Ebstein großes Feingefühl. Stefan Sulkes „Wer will unter die Piraten“, Hermann van Veen mit „Ich frage mich …“, Hans Dieter Hüschs „Ich frage mich“ und nicht zuletzt Georg Kreislers „Ebstein, sei positiv“ verfehlten nicht ihre Wirkung, gingen tief unter die Haut. Im Ballenlager erklangen mit „Wir leben noch“ von Klaus Hoffmann und „Ich wünsche mir“ von Hannes Wader auch Lieder von Künstlern, die an gleichem Ort aufgetreten waren.

So war Katja Ebstein in bester Liedermacher-Gesellschaft. Warnung vor dem Krieg, Verletzung von Kinderseelen, Bedrohung der Natur, aber auch Mut zum Leben und Lieben waren die Themen, die Katja Ebstein mit Texten von Stefan Sulke, Bettina Wegener, Dieter Süverkrüp, Bertold Brecht und sogar Heinrich Heine dem gebannt lauschenden Publikum näherbrachte. Wenn sie sang, war man fasziniert von ihrer Stimme, die über die Jahrzehnte nichts an Ausstrahlung verloren hat. Wenn sie mit aller Kunstfertigkeit rezitierte, spürten die Zuhörer im Ballenlager ihre persönliche Betroffenheit. „Ich hab ein zärtliches Gefühl“ – das wurde an diesem wundervollen Abend mit Katja Ebstein Wirklichkeit.