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Kitty Hoff in der Kulturschmiede






Kitty Hoff in der Kulturschmiede


Kitty Hoff in der Kulturschmiede (WN)
Eigentlich ist ja Berlin ihre Wahlheimat. Die Großstadt und die skurrilen Geschichten, die die Metropole schreibt, bieten den Stoff, aus dem Kitty Hoff ihre Lieder oder besser gesagt „Chansons“ strickt. Aber die geborene Münsteranerin Hoff ist auch in Greven bei der Kulturinitiative „Zuhause“. Nicht, weil der Titel ihrer CD oder ihres Bühnenprogramms so lautet. Nein, Kitty Hoff, Vertreterin des deutschsprachigen „Nouvelle Chanson“, hat sich in die Münsterländische Jazz-Provinz ihr Berliner Zuhause einfach selbst mitgebracht. Das Licht ist gedimmt, die Sängerin nimmt in einem alten Sessel Platz. Die sonst so schlicht-dunkle Bühne der Kulturschmiede ziert ein Potpourri an Tischlampen. Es ist ein kleines Wohnzimmer, dass sich Kitty Hoff mit ihrer Band Forêt-Noire da aufgebaut hat.

Denn während gleich zu Beginn im Hintergrund Berlinerische Großstadtklänge, Straßenlärm und Bahnhofsdurchsagen durchs Ohr rauschen, startet die Blue-Note-Sängerin Kitty Hoff das, was sie zweifelsohne am besten kann: Musikalisch Geschichten erzählen – kleine Traumnovellen gespickt mit viel Poesie, Melancholie und Ironie.

Einmal berichtet die Sängerin Hoff ihren Zuhörern, wie sie im Wiener Prater-Riesenrad nach einer Panne mit der französischen Chanson-Sängerin Coralie Clément festsaß, um am Ende das Fazit zu ziehen: „Es ist leichter sich zu verstehen, wenn sich Riesenräder drehen“, wie es in einer Textzeile heißt. Oder Kitty Hoff erzählt aus dem Alltag, von dem Wunsch, „es gäbe einen Knall und die Küche wäre blitzblank“, oder von dem Gefühl, zuhause zu sein. „Dann sitzt man dort und wartet“, haucht Kitty Hoff ins Mikro. Und dann: Ein paar Sekunden magische Stille in der Kulturschmiede. Das ist das Gefühl, zuhause zu sein.

Musikalisch ist es ein Parforceritt durch verschiedene Stile von Jazz, Swing und Pop. Unterstützt wird Kitty Hoff dabei von einer sanften Begleitband. Die Rhythmen des Schlagzeugers Beat Lee Burns korrespondieren mit den tiefen Bässen von Moe Jaksch am Kontrabass. Gitarrist Phil Marone überzeugt besonders mit seinen Soloeinlagen. Nicht zu vergessen ist Pianist Marq Wenzel, der am Rhodes-Piano experimentiert und quietschige Klänge hineindreht, wenn die Sängerin über einen vorbeirollenden Zug philosophiert, oder in einem ruhigen Moment Peter Lustigs bekanntes Löwenzahnmotiv imitiert. Ein stimmiges Ensemble, das Kitty Hoff mit ihren Einlagen an der Melodica sowie an der singenden Säge abrundet.

Als die Chansoneuse am Ende ihren Reisekoffer wieder schließt, bleibt dem Publikum nur noch eines: Zu klatschen für einen schlichten Abend zu Ehren des neuen Chanson.

 

Kitty Hoff in der Kulturschmiede (GZ)
Melancholisch, nostalgisch und sentimental, das ist die eine Seite der Berliner Sängerin Kitty Hoff. Am Samstagabend trat sie mit ihrer Band Forêt Noire in der Kulturschmiede auf. Die andere Seite: Ironie, Witz und ein unwiderstehliches Gefühl für das richtige Timing.

Was sich dem mit weitgehend verschränkten Armen vor der Bühne sitzenden Grevenern, da auf der Bühne für ein Anblick bietet, wirkt zunächst wie aus einer klischeehaften Erinnerung an das Paris der 50er und 60er Jahre. Alle vier Musiker tragen Anzüge, gegelte Haare, Kitty Hoff selbst ein nach 60er-Jahre aussehendes Kleidchen. Dass die Band „Forêt Noire“ heißt, passt also – dass die Übersetzung dieses Namens, Schwarzwald, nicht die selbe Weltläufigkeit ausstrahlt, ist bereits ein erster Hinweis auf die feine Ironie, die den Abend prägen sollte.

Die Musik sitzt genauso gut wie die schicken Anzüge, ist genauso lässig wie die leicht geöffneten Krawattenknoten. Sie eignet sich dazu in tiefen Ledersesseln zu versinken, Rotwein zu trinken und am Fernweh zu leiden, auch an Fernweh für die Vergangenheit, gemeinhin Nostalgie genannt.

„Ein Leichtmatrose schwankte bei einer Pulle Rum ein wenig aus seinem Leben“, setzt die Sängerin an, Blick ins Publikum, dann: „Haben sie die Doppelbödigkeit verstanden?“ Kichern. Das Lied, das dieser Ansage folgt , handelt davon, dass dieser Matrose eine „schmutzige Hose“ habe, ein tolles Leben führe und „blau wie das Meer“ sei. Das klingt zunächst einmal wie aus einem schlechten Schlager. Aber das Lied geht noch weiter. „Doch unser Leichtmatrose war unglücklich“, spricht Kitty Hoff, er wollte eigentlich ein Bäcker sein – „Er liebte nicht das Meer, sondern das Mehl“. Wie sie damit die zuvor zelebrierte Nostalgie, Melancholie und die Sentimentalität selbstironisch auf die Schippe nimmt, das ist ein feiner Sinn für Humor.

Zum Programm gehört aber auch eine Stepptanz-Einlage und ein Zaubertrick bei dem sie eine Zeitungsseite zerknüllt und eigentlich in perfektem Zustand wieder hervorzaubern soll – allein, es gelingt nicht. Dem Publikum ist das egal. Denn Kitty Hoff beherrscht die Lage jederzeit, nimmt noch einen Lacher für die missglückte Einlage mit, um dann wieder in ernste Gefilde zu wechseln.

„Man sitzt zu Hause, der Kühlschrank voller Feinkost, dann sitzt man da und wartet“, haucht sie. „Auf den Märchenprinzen“ seufzt eine Frau im Publikum. In die Stille setzt die Gitarre sanft und sensibel ein. Es waren diese Momente, in denen eigentlich nichts geschah, die besonders beeindruckten. Nicht nur das sekundenlange andächtige Schweigen bevor sich das Publikum traut zu applaudieren, auch das Kommenlassen des richtigen Moments,. das zelebrieren des Augenblicks. Geschmackvoll und gediegen, wehmütig und witzig, das war der Abend mit Kitty Hoff.