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Kitty Hoff in der Kulturschmiede






Kitty Hoff in der Kulturschmiede


Kitty Hoff in der Kulturschmiede (WN)

Kitty Hoff gilt als der wohl bekannteste „Geheimtipp“ der Chanson-Szene, zusammen mit den vier Herren ihrer Begleitband Forêt-Noire nahm sie am Samstag in der überfüllten Kulturschmiede das Publikum mit auf ihre „Argonautenfahrt“. Der Sage nach waren die Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies und Kitty Hoff segelte musikalisch auf ihren Spuren bei der Suche nach dem Sinn hinter den Dingen. Stilsicher legte sie dabei das von ihr seit Jahren bevorzugte Charleston-Kleid ab, tauschte es mit einem leicht mondänen Gewand. Ihre jazzigen Wurzeln sind stets spürbar. Sie singt ohne Ironie und Effekthascherrei in kunstvollen Arrangements vom ganz normalen Traum vom Glück. Nicht weichgespült, sondern facettenreich und differenziert erklingt das instrumentale Bild von Forêt-Noire, auf dem sie ihre wohl timbrierte Stimmer erstrahlen lässt.

Zwischen den filigranen Begleitmustern lässt das Quartett mit Gitarrist Phil Marone, Bassist Moe Jaksch, Pianist Marq Wenzel und Schlagzeugers Beat Lee Burns immer wieder der eigenen Spielfreude freien Lauf, erfüllt mit einem rhythmisch mitreißenden Sound die Kulturschmiede.

Vor acht Jahren wurde Kitty Hoff noch als hinreißende Diva oder gar Salonlöwin bezeichnet, als Vertreterin des Nouvelle Chanson mit einem Schuss bitterer Ironie eines Georg Kreisler. Bei ihrer „Argonautenfahrt“ unterhielt sie nicht nur mit feinsinnigen kleinen Reiseerzählungen, ihren Texten musste man einfach hingerissen lauschen. Denn unverstellt und ungekünstelt ging es um Hoffnungen und Ängste, um Liebe auf den ersten Blick im Winter.

Jenseits von Kitsch und Schlager schuf sie mit „Hunderten Posaunen“ eine Welt, in der Niveau und Unterhaltungswert eine Symbiose eingingen, wo man dem Charme dieser sympathischen Sängerin einfach erlag. Man schlenderte mit ihr durch die Welt, verweilte im „Café im Winter“, wartete gemeinsam auf die große Liebe, träumte sich durch die Zeit.

Große Gefühle bei „Glückes genug“ zeigten eine Nähe zum traditionellen Kunstlied, das der versierten Sängerin ja seit frühester Jugend bestens vertraut ist. Feinsinnig entführte sie in die „Pension Fuchs“, sogar die „Unterwelt“ verlor ihre Schrecken bei solch reizendem Gesang. Bei Kitty Hoff wurde die Welt zu einer „Kugel-die-sich-dreht“, ließ man sich zwischen Zither und singender Säge bei „Träumerei“ nach Schumanns Klavierzyklus „Kinderszenen“ einfach treiben im Klang solch exquisiter Musik.

Kitty Hoff und Forêt-Noire werden wohl nie zum Mainstream gehören, aber vielleicht ist das auch gut so. Ihre „Argonautenfahrt“ führte nicht in die Leere der bloßen Unterhaltung, sondern sprach Herz und Verstand gleichermaßen an. Zwischen Wohnzimmerlampen und Papierschiffchen gibt es offenbar noch so viel zu erleben und Kitty Hoff ließ das begeisterte Publikum Anteil nehmen auf ihrer Reise quer über die Weltkarte.