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Klare, Bektas, Ak in der Kulturschmiede






Klare, Bektas, Ak in der Kulturschmiede


Klare, Bektas, Ak in der Kulturschmiede (WN)
Jazz kann Kulturen zusammenführen, sie verbinden, sie zumindest für einen Abend gemeinsam auf die Bühne bringen – allen kulturellen Unterschieden zum Trotz. Die Formation „Orient trifft Okzident“ des münsterischen Jazzkomponisten Jan Klare meisterte diesen Spagat am Freitagabend auf meisterliche Weise.

Geht man in die größeren und in die ganz großen Städte der Republik, so ist das, was Jan Klare, Ahmet Bektas und Fethi Ak vertonen, bereits gesellschaftliche Realität. Da trifft der Döner die Currywurst, der Islam auf das Christentum, die Kultur des Nahen Ostens auf die des europäischen Abendlandes.

Was das nun mit Jazz zu tun hat? Nun ja, auch der Jazz kann Kulturen zusammenführen, sie verbinden, sie zumindest für einen Abend gemeinsam auf die Bühne bringen – allen kulturellen Unterschieden zum Trotz. Die Formation „Orient trifft Okzident“ des münsterischen Jazzkomponisten Jan Klare meisterte diesen Spagat am Freitagabend auf meisterliche Weise.

Schon seit zehn Jahren treten die drei Weltmusiker zusammen auf – stets mit dem Anspruch, etwas Eigenes, etwas Verwobenes zu formen. Bei ihrem Gastspiel auf Einladung der KI wurden Klare, Bektas und Ak diesem Anspruch wieder mehr als gerecht. Sie verknüpften türkischen Tanz mit verjazzter Renaissance eines Monteverdi, improvisierten über der höfischen Musik der Sultane, um im Anschluss in getragenen, bluesartigen Stücken die Weite des Morgenlandes klanglich darzustellen. Im Zentrum der Formation steht dabei Jan Klare, der an Saxophon und Altflöte experimentiert, sich nahezu virtuos durch schwindelerregende Passagen spielt, dann aber wieder den Fuß vom Gas nimmt und melancholisch anmutende Melodien dahinzaubert. Lässig, cool, unaufgeregt. So ist Klare in diesen Momenten. Ein einziges Klangerlebnis.

Seine Begleiter stehen dem in nichts nach: Kunstvoll sorgte Ahmet Bektas an der türkischen Oud, einer bundlosen Kurzlaute, für jenen gezupften Part, der der Band letztlich das Orientalische aufdrückt. Manchmal wähnte man sich dadurch in der Landschaft Ostanatoliens, woanders wiederum auf einem arabischen Bauchtanzfest. Dass der Deutsch-Türke auch Komponist einiger Werke ist, offenbart, wie viel persönliche Erfahrung und Biografie in den Stücken des Trios steckt.

Abgerundet wird das Ensemble durch Fethi Ak, der den gut 70 Jazzfans in der Schmiede ebenfalls hohe Qualität zu bieten wusste. Besonders in seinem Feature zeigte Ak seine Fähigkeiten als Percussionist an der Darbuka, einer speziellen Bechertrommel. Mal nahezu rockig-wild, mit dem Feuer des Orients, mal geheimnisvoll-verwunschen musizierte sich Ak durch den Abend, der seine Zuhörer insgesamt ein wenig schwermütig machte, sie in der Schönheit der Musik versinken ließ. Passend dazu verloren die Musiker nur wenige Worte über ihre Musik. Sie ließen den Klang sprechen. Und der berührte die Jazzseele.