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Klassik-Open-Air am Emsstrand






Klassik-Open-Air am Emsstrand


Klassik-Open-Air am Emsstrand (WN)
Auch die siebte Auflage von „Klassik an der Ems“ war ein musikalischer Genuss der Extraklasse. Bei hochsommerlichen Temperaturen waren über 1000 Musikliebhaber gekommen, um sich von der „Neuen Philharmonie Westfalen“ unter dem versierten Dirigat von Heiko Mathias Förster bei einer „Verdi-Gala“ zum 200. Geburtstag des Komponisten entführen zu lassen in die Welt der großen Gefühle.

Bereits bei der ersten „Klassik an der Ems“ vor sechs Jahren feierte dieses Orchester einen großen Erfolg, knüpfte an diesem Abend sicherlich daran an. Denn diesmal waren mit der Sopranistin Eva Hornyakova und dem Tenor Sergio Blazquez gleich zwei international renommierte Gesangssolisten verpflichtet worden, die mit ihren ausdrucksstarken Stimmen sofort die Sympathien des Publikums gewannen.

Bei der einleitenden Ouvertüre zur Oper „Die Jungfrau von Orléans“ konnte die „Neue Philharmonie Westfalen“ ihre ganze kunstvolle Musizierweise präsentieren. Ein wunderbar farbenreicher Orchesterklang, gute Instrumentalgruppentrennung und eine bis ins kleinste Detail stimmige Spielkultur erfüllten das Gebiet an der Ems. Dieses gefragte Orchester tritt jährlich in nahezu 300 Konzerten im In- und Ausland auf, bei der „Verdi-Operngala“ zeigten sie sich professionell von ihrer besten Seite.

Ob nun bei der überaus anspruchsvollen Ouvertüre zur Oper „Die Sizilianische Vesper“, der fast klangmalerisch inspirierten Ouvertüre zur Oper „Oberto, Graf von Bonifacio“ oder beim großen Finale mit der Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“ – immer zeigten sie sich stilistisch in den unterschiedlichsten Gefühlswelten zu Hause, wählten den jeweils adäquaten Klang.

Auch so spritzige Ballettmusiken wie die aus der Oper „Der Troubadour“ und aus „Othello“ sprühten nur so vor Lebendigkeit und Spielfreude.

Aber die „Neue Philharmonie Westfalen“ verwöhnte nicht nur bei den rein instrumentalen Werken. Auch als „Begleitorchester“ bei den Arien der beiden Solisten zeigte es Esprit und Leidenschaft. Wenn die Sopranistin Eva Hornyakova bei der Arie „Come in quest‘ ora bruna“ aus „Simon Boccanegra“ die Freuden und Leiden der Liebe präsentierte, konnte ihre warm timbrierte Stimme über dem ausgewogenen Orchesterklang ihre ganze Schönheit und Strahlkraft entfalten. Bei der in Musik gesetzten Huldigung „Ave Maria“ aus der Oper „Desdemona“ bewegte sie die Zuhörer ganz tief.

Aber auch der Tenor Sergio Blazquez wusste das Publikum zu verzaubern. Kraftvoll erklang die Arie des Corrado „Ah! Si, be dite“ aus der Oper „Der Korsar“, inspirierte die ganze Wehmut und Melancholie bei der Arie des Arrigo „Giorno di pianto“ aus der Oper „Die Sizilianische Vesper“. Aber selten hat man das Duett „Parigi, o cara“ aus der allseits bekannten Oper „La Traviata“ so leidenschaftlich und temperamentvoll gehört wie an diesem Abend.

Man hätte sich wohl kein schöneres musikalisches Präsent für einen 200. Geburtstag wünschen können wie diese „Verdi-Operngala“ mit mediterranem Flair. Das Publikum genoss diese niveauvolle Reise in die Welt der italienischen Opernkunst, zumal das Ambiente sicherlich jeder mediterranen offenen Konzertbühne entsprach.

 

Klassik-Open-Air am Emsstrand (WN Feuilleton)

Ein Herz für Giuseppe Verdi. Der Jubilar steht hierzulande ein wenig im Schatten des großen, gleichaltrigen Rivalen Richard Wagner – dessen 200. Geburtstag wir ebenfalls feiern. Doch die Neue Philharmonie Westfalen widmete dem italienischen Operngenie einen ganzen Abend, der vom Dirigenten Heiko Mathias Förster einnehmend moderiert wurde. Bei Traumwetter fanden sich an die 1000 Hörer an der Ems-Aue ein, um Belcanto und Orchesterpracht zu lauschen. Dieses mittlerweile siebte Klassik-Open-Air-Konzert stellte in puncto Sound-Qualität Münsters diesjährige Aaseerenaden in den Schatten.

Bei Verdis opulentem Œuvre kann man aus dem Vollen schöpfen, was Maestro Förster veranlasst, auch Unbekannteres zu spielen. Bereits die frühe Ouvertüre zu „Giovanna d’Arco“ (Die Jungfrau von Orléans) zeigt den Dramatiker und Schiller-Fan Verdi in seinem Element, wenn er es mit Streicher-Tremoli effektsicher brodeln lässt. Auch die Ouvertüre zum Erstling „Oberto“ steht auf dem Programm. Um Klassen besser aber ist „Die Sizilianischen Vesper“. Wie sich Verdis blühende Melodik in den Celli aussingt! Wie das fetzige Stretta-Thema Sturm läuft! Das kann mit der „Macht des Schicksals“-Ouvertüre mithalten, die jetzt überall gespielt wird (und die das Orchester sich fürs Finale aufhebt).

Kein Verdi ohne Belcanto: Als Sergio Blazquez zu süffiger Klarinetten-Kantilene auf die Bühne tritt, zeigt er sogleich kernige Tenor-­ Power und feurigen Ausdruck: „Ah! Si, ben dite“, die Arie des Corrado aus „Il Corsaro“, ist ein markiger Auftritt, wie Tenöre ihn lieben. Vom Publikum ganz zu schweigen.

Von den Arien der Sopranistin Eva Hornyakova ist das Gebet der Desdemona am anrührendsten. Die Dämmerung bricht schon über der Ems herein, als sie zum „Ave Maria“ die Hände faltet. Auch sie besticht mit Gefühl und strahlender Höhe. Im Duett lassen sich die zwei Solisten nur einmal hören, in „La Traviata“, wenn Violetta und Alfredo ihren letzten Liebestraum träumen. „Parigi, o cara“. Die Ballettmusiken (aus Othello und Troubadour) sind ein Parcours der Verdi-Evergreens. Am Ende treten Maestro und Orchester den wohlverdienten Urlaub an – nicht ohne Zugaben, versteht sich.

 

Klassik-Open-Air am Emsstrand (GZ)
Das Wetter verwöhnte die rund 1000 Besucher der Verdi-Operngala mit hochsommerlichen Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein. Die 128 Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Heiko Mathias Förster saßen dafür mit Sonnenbrillen auf der Bühne hinter einem Sonnenschutz, der nur einen schmalen Sehschlitz auf das Orchester zuließ.

Die Qualität der Musik und den Genuss der Verdi-Gala zum 200. Geburtstag des berühmten italienischen Komponisten schmälerte das aber nicht.

Es war das siebte Open-Air-Klassikkonzert, welches die Kulturinitiative (KI) mit dem Stadtmarketing Greven zusammen an der Emsaue ausrichtete. „Das haben wir den vielen Sponsoren zu verdanken. Wir haben es auch Ihnen, den Besuchern, zu verdanken. 2007 hat das Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen das erste Open-Air eröffnet. Heute sind sie wieder da“, begrüßte KI-Vorsitzender Egon Koling.

„Wir feiern heute Abend mit Ihnen einen wunderbaren Komponisten, der seit rund 150 Jahren die Opernbühnen dieser Welt bestimmt“, förderte Dirigent Förster die Neugierde auf die Musik von Guiseppe Verdi (1813-1901).

Selten interpretiert werden die beiden frühen Ouvertüren zu den Opern „Die Jungfrau von Orleans“ und „Oberto, Graf von Bonifacio“, die um 1839 entstanden. Das Orchester zog dafür alle Register seiner Besetzung aus Streichern, Bläsern und Schlagwerk.

Dramatisch war der Einstieg in die erste Ouvertüre. Dramatisch war auch der Inhalt der Lebensgeschichte der kämpferischen Jungfrau, während die leiseren, wunderbar ausgereizten Dialoge zwischen einzelnen Instrumenten die zarten, nachdenklichen Seiten ihres Lebens widerspiegelten.

Schon in diesen frühen Stücken offenbarte sich das eigentliche Markenzeichen des Komponisten. Brüche, abrupte Schnitte, Tempiwechsel und spontane Stimmungswechsel erschwerten die Interpretation für die Musiker.

Das Orchester, das zu den größten Landesorchestern in Nordrhein-Westfalen zählt, hatte damit absolut kein Problem. Wie Leuchttürme der Gefühle blitzte mal hier das Horn auf, dort die Klarinette, während im Gefühlsstrom die Violinisten badeten. Ballettmusiken schrieb Verdi für die Opern „Der Troubadour“ und „Othello“, obwohl seine Opern nie dem Pariser Vorbild folgten, wo Balletttänzer in Opernaufführungen Standard waren.

Dramatische Inhalte setzte Verdi in ebenso dramatische Klanggebilde um, die von den Gesangssolisten Eva Hornyakova (Sopran) und Sergio Blazquez (Tenor) virtuos interpretiert wurden. „Parigi, o cara“ aus der Oper „La Traviata“ von 1853 war leider das einzige Duett der beiden Sänger. Hornyakovas perlender, warmer Sopran machte das „Ave Maria“-Gebet der Desdemona aus dem Spätwerk „Othello“ zu einem wahrhaft bewegenden Erlebnis.

Blazquez berührte mit seinem vollen Tenor in der Arie des Arrigo aus der Oper „Sizilianische Vesper“ des Jahres 1855. Atemloses Zuhören der Zuschauer entlud sich nicht nur nach diesen Konzertbeiträgen in einem prasselnden Sturm des Beifalls. Nicht umsonst bedankte sich das Orchester mit Zugaben nach dem fast dreistündigen Konzert.