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Klassik Open- Air in der Emsaue






Klassik Open- Air in der Emsaue


Klassik-Open-Air in der Emsaue (WN)

Wäre das Programmheftwedeln schon in diesem Jahr eine olympische Sportart gewesen, Grevens Klassikfans hätten wohl die Goldmedaille gewonnen bei den Spielen in London, in der Themse-Stadt. Beim großen Klassik-Open-Air an der Ems nämlich mutierte das gemeinschaftliche Fächern zu einer Art Volkssport, zumindest im ersten Part des Konzertes. Die schwüle Hitze am bisher wärmsten Tag des Jahres war Schuld und sorgte dafür, dass das Thermometer auch am frühen Abend noch deutlich über die 30-Grad-Marke kletterte.

Abhalten konnten diese mehr als mediterranen Wetterverhältnisse keinen der gut 900 Liebhaber der klassischen Musik. Der Großteil wagte sich sogar in nicht ganz Hitze-tauglicher Abendgarderobe an den Beach, der somit wieder – zum sechsten Mal – eine äußerst stilvolle Bühne bot für ein musikalisches Programm, das sich auch hinter den großen Inszenierungen der letzten Jahre keineswegs verstecken musste. „Ein mitreißendes, welliges Konzert“ war es dann auch, was Dr. Susanne Schulte, Festivalleiterin von „Summerwinds“ im Einklang mit KI-Chef Egon Koling dem Publikum versprach. Unterhaltsame, leicht bekömmliche Klassikkost – das war erneut der Grundgedanke. Und er ging auf.

Nach Mozarts Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ trat das musizierende Orchester „Symphony Prague“ unter dem Dirigat von Stefan Britvik allerdings zunächst in den Hintergrund, um Solistin Anita Farkas an der Querflöte ins Rampenlicht zu stellen. „Ein optischer und musikalischer Hochgenuss“, sparte Moderator Harald Meyersick bei seiner Ankündigung derselben Dame zugleich nicht mit großen Worten, denen die ungarisch-türkische Flötistin schnell Taten folgen ließ.

Durch die schwindelerregendsten Passagen von Mozarts Konzert für Querflöte und Orchester in G-Dur spielte sich die 29-Jährige mal flink und frech, mal äußerst gefühlvoll – speziell im langsamen Adagio-Teil, in dem der helle, klare Klang der Querflöte besonders zum Vorschein kam. Diese Raffinesse ließ auch die nicht immer ganz saubere Tonqualität, die ein Open-Air-Konzert mit sich bringt, vergessen. Ebenso hielt es sich mit dem ein oder anderen vorbeifliegenden Ferienflieger, nach dem sich einige Zuhörer umdrehten. Reales Open-Air-Feeling eben… Spätestens die Dvor(ákschen Werke, die das Prager Orchester im Anschluss an das Querflötenkonzert darbot, ließen das Publikum seine Konzentration wieder ganz auf die Musik richten.

Tschechische Suite und slawische Tänze deuteten auf den Schwerpunkt des zweiten Konzertteiles hin: Die Romantik in Form von Tanz, Marsch und Operette. Stimmungsvoller Höhepunkt: Die Moldau aus Bedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“. Die poetische Idee des dahinfließenden Flusses, die dieses Stück verinnerlicht, entfaltete sich auch am Grevener Emsufer. Gekonnt setzte das Orchester die kompositorische Vorlage mit ihren zahlreichen Tempo- und Dynamikwechseln um. Romantik in Reinform war das, die sich zum Finale hin dann mehr und mehr Flotterem wie der „Leichten Kavallerie“ des Operettenspezialisten Franz von Suppé oder Tschaikowskys bekanntem „Trepak“ aus dem Nussknacker-Ballett zuwandte.

Ein letzter Ruhepol: das zarte Harfen-Intro zum „Blumenwalzer“, das hervorragend die Atmosphäre bei Kerzenschein umrahmte, ehe mit dem Radetzky-Marsch als Zugabe die Marschmusik endgültig Einzug am Emsstrand erhielt. Von ihren Programmheften als Fächer hatten sich die Konzertgänger da bereits befreit: Zum Applaudieren für ein exzellentes Konzert der Marke „Klassik light“.

 

Klassik-Open-Air in der Emsaue (GZ)

Etwa 900 Besucher hörten am Sonntag, 19. August, dem Symphony Prague Orchester zu, das am Emsstrand zum Klassik-Open-Air-Konzert lud. Musiker, Dirigent und Solistin überzeugten vollends – nachdem das Konzert zunächst verspätet begonnen hatte.

Schöner hätte die Konzertreihe am Emsstrand nicht enden können: Bei strahlendem Sonnenschein waren am Sonntagabend rund 900 Besucher gekommen. Und sie hatten – teils mit Sitzkissen, Fächer und Picknickkorb ausgestattet – genug Zeit, um Wetter und Ambiente zu genießen. Denn das Klassik-Open-Air-Konzert mit der international ausgezeichneten Solistin und Flötistin Anita Farkas, dem Dirigenten Stefan Britvik und dem Symphony Prague Orchester begann mit rund 20-minütiger Verspätung. Die Musiker hatten bei ihrer Anreise zwei Stunden im Stau gestanden.

Doch als die ersten, feinen Töne von Mozarts Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ durch die schwüle Luft drangen, galt alles Interesse der Musik. Mit im Mittelpunkt des Abends stand das Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur, ein weiteres Stück von Wolfgang Amadeus Mozart, das die Flötensolistin Anita Farkas erst richtig in Szene gesetzt wurde.

In einem roten, schulterfreien Abendkleid betrat die 29-Jährige mit leicht erschöpftem Gesichtsausdruck die Bühne, spielte aber mit einer souveränen Grazilität und Leichtigkeit, dass man es nicht einmal wirklich bemerkte, wenn sie ihre Noten umblätterte. Mit faszinierten Blicken verfolgte das Publikum das virtuose Spiel der Solistin und ließ sich ganz von den sanften Tönen einnehmen.

Kurz vor der Pause, die viele für eine Erfrischung nutzten, wartete das Orchester mit Antonin Dvoraks „Tschechischer Suite opus 39“ auf. Dabei gebot Britvik durch das Emporheben seines rechten Arms mehrfach dem voreiligen Applaus zwischen den vorgegebenen Abfolgen Einhalt.

Der zweite Teil des Konzerts fand im romantischen Teelichterschein auf den Terrassenstufen am Deich statt.

Harald Meyersick, der mit ruhiger, gelassener Art und einem Quantum feinsten Humors durch das Programm führte, kündigte die von vielen schon erwartete Inszenierung von Smetanas „Moldau“ an.

Und zwar, indem er das Kinderlied „Alle meine Entchen“ in Moll pfiff und damit für sichtliche Erheiterung beim Publikum sorgte. Am Ende gab es für alle großen Applaus