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Kolsimcha im Ballenlager






Kolsimcha im Ballenlager


Kolsimcha im Ballenlager (WN)

Große Weltmusik mit dem Quintett Kolsimcha – beim Konzerts der Festivalreihe „Summerwinds Münsterland“ in Kooperation mit der Kulturinitiative kam am Sonntagabend frischer Wind ins Ballenlager. Fast 300 Zuhörer erlebten einen Abend, der vom ersten Song an geprägt war von einem Ensemble-Klang, der in dieser Art wohl einzigartig ist.

Kolsimcha wird als Eurapa´s Klezmerband Nummer zwei bezeichnet. Wer bei solch hochwertigem und gleichzeitig mitreißendem Musizieren den Platz vor ihnen verdient haben könnte, wird wohl ein ungelöstes Rätsel bleiben. Seit 20 Jahren begeistert das Quintett um den Klarinettisten Michael Heitzler und dem Pianisten Olivier Truan auf internationaler Ebene das Publikum und die Fachpresse gleichermaßen. Die Besucher des Konzertes im Ballenlager ließen sich von der überschäumenden Spielfreude der Musiker anstecken, erlebten mit diesem „Contemporary Klezmer“ zu Herzen gehende Musik.

Humoristisch eingefärbt moderierte Olivier Truan zwischen den Songs, schuf so sympathisch ein ganz persönliches Band zum Publikum. Als versierter Pianist und ideenreicher Komponist gab er gleich zehn Stücken seine ganz persönliche Färbung. Als Musical und Ballettkomponist hat er sich ebenso wie mit klassischen Instrumentalkonzerten einen meisterhaften Ruf erworben, aber seine Liebe gilt wohl dem von ihm vor 24 Jahren mitbegründeten Kolsimcha-Quintett. Dies zeigte sich in den sehr emotional konzipierten Stücken wie „Noah“, „Jerusalem“ und „The Chase“, bei denen sich hochemotionales Spiel mit meisterhafter Instrumentalkunst verband.

Als Künstler von gleichem Rang zeigte sich der Klarinettist Michael Heitzler, der die anderen Stücke des Abends komponiert hat. Er gilt als einer der führenden Klarinettisten in Klassik und Jazz, sein einmaliger Klang und seine innovativen Improvisationen schaffen einen Genre-übergreifenden individuellen Stil. Er hat lange Jahre in New York gelebt und mit den dortigen Jazzgrößen zusammen konzertiert. Erfahrungen dieser musikalischen Begegnungen haben seinen eigenen Stil geprägt, da spürte man mediterrane Elemente ebenso wie stark vom Klezmer inspirierte Weisen.

Angefangen hat auch er gemeinsam mit Olivier Truan bei Kolsimcha, damals noch mit traditioneller Klezmermusik auf jüdischen Hochzeiten. Aber längst ist auch er als Komponist und Instrumentalist gereift, hat seinen ganz persönlichen Stil gefunden. „On the Move“, „Those very short moments“ und „Flatbush Minyan Bulgar“ zeigten sein fulminantes Spiel, fern irgendwelcher technischer Einschränkungen konnte er sich ganz dem musikalischen Gehalt widmen. Seine klangmalerische und hochvirtuose Spielweise erlebte man begeisternden „The Cuckoo and the Mole“. Solch hohe Kunst hört man nur selten. Zusammen mit dem Querflötisten Ariel Zuckermann gelangen wunderbare Duette, die eingebettet waren in den ausgewogenen Klang von Kontrabass, Klavier und Schlagzeug.

Sir Yehudi Menuhin hat sie als „hervorragende Musiker“ tituliert, Herbert Grönemeyer mit ihnen einen Song einspielt. Kolsimcha hat schon in der New Yorker Carnegie Hall und bei den bedeutendsten Jazz-, Klassik- und Weltmusikfestivals auf drei Kontinenten konzertiert. Mit ihrer Musik und charismatischer Ausstrahlung haben sie im Grevener Ballenlager am Sonntag ganz viele neue Freunde gefunden – und die Festivalreihe „Summerwinds Münsterland“ mit der KI einen wirklich kompetenten Partner.

 

Kolsimcha im Ballenlager (MZ)
Mal war es Jazz, mal war es Weltmusik, manchmal rhytmisch geprägt und über weite Passagen ein Fest der ohrenerfreuenden Melodien. Mal lang, mal kurz, mal laut, mal leise. Auf unterschiedlichste Art und Weise nahm das Ensemble „Kolsimcha“ seine Zuhörer am Samstagabend im Ballenlager mit auf eine abenteuerliche Reise durch ferne, ungewohnte Klangwelten.

Das Quintett „Kolsimcha“ war ganz sicher mal wieder ein Volltreffer für die Organisatoren der Grevener Kulturinitiative. Im Rahmen des münsterlandweiten Holzbläserfestivals „Summerwinds“ gastierte die fünfköpfige Klezmer-Band am Sonntagabend in Greven.

Klezmer, das ist jüdische Volksmusiktradition seit über 2.000 Jahren. Doch ganz so antiquiert wie man bei einem solchen Genre vermuten mag, ist „Kolsimcha“ nicht.

Modern, intelligent und virtuos: Das passt zum Klezmer, Jazz, Weltmusik und Klassik vereinenden Ensemble viel besser. Die Kompositionen von Pianist Olivier Truan und Klarinettist Michael Heitzler überzeugten am Sonntagabend die Zuhörer mit Witz, Spielgefühl und einem ausgeprägten Improvisationsgeist.

Intuitiv die richtigen Töne und Klangwelten für jede Situation des Lebens zu finden, Geschichten durch Musik zum Leben zu erwecken: Es gelang den Musikern ganz ausgezeichnet. Die Liebesgeschichten zweier Hunde namens Cunik und Jack wurde da für die Zuhörer mitfühlbar, in Musik greifbar. Einfühlend und sanft auf der einen, manchmal berauschend und in rasendem Tempo, wie beim Stück „Dance Eleven“, zeigten Michael Heitzler an der Klarinette und Ariel Zuckermann an der Querflöte, warum sie zu Europas führender Elite der Holzbläser gehören.

Schlagzeuger Christoph Staudenmann beherrschte unterschiedlichste Takte in höchster Präzision. Die Basslinien Daniel Frickers waren beindruckend. Olivier Truan brillierte am Flügel mit ausgezeichneter Technik, hohem Spieltempo und einer Virtuosität, die ihresgleichen sucht. Dazu gesellte sich bei ihm eine sympathische Rolle als galanter Moderator des Abends. Irgendwo zwischen traditionellem Klezmer, bekannter Klassik und kontemporärem Jazz trafen die Musiker den Musiknerv der Zuhörer.

Da gab´s Passagen mit Pianospiel à la Herbie Hancock, sphärische Klänge wie man sie aus Filmmusiken kennt, Solo-Basspiel von Daniel Fricker, das entfernt an Größen wie Percy Heath oder Paul Chambers erinnerte.

Die Reise durch jene unkonventionellen Klangwelten streifte jüdische Klagelieder, biblische Themen und modernen Jazz, fusionierte das Ganze zu einem begeisternden Gesamtpaket. Belohnt wurden die Musiker mit lang anhaltendem Applaus. Dafür spielten sie denn gleich drei Zugaben.