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Lioba Albus im Ballenlager






Lioba Albus im Ballenlager


Lioba Albus im Ballenlager (WN)

Ein lila- glitzernder Bolero, eine Perücke im Dauerwellen-Look und ein fragwürdiges Englisch- keine zwei Sekunden auf der Bühne und das Publikum gehört der sauerländischen Hausfrau namens Mia Mittelkötter: „Das war Applaus? Ich gebe Ihnen noch eine Schängse.“ Das Publikum lacht: „Ja, Schängse. Können Sie etwa kein Englisch?“ Beim zweiten Anlauf beweisen die Grevener ihr westfälisches Temperament – das Ballenlager tobt. Mia Mittelkötter freut sich: „Schängse erfolgreich genutzt.“

Genau auf diesen Wortvulkan alias Lioba Albus haben die Grevener am Freitagabend im fast ausverkauften Ballenlager gewartet. Von Beginn an fährt die Frau mit den sauerländischen Wurzeln ein hohes und wortreiches Tempo: „Mein Mann beschwert sich ständig, dass ich so viel rede. Deshalb rede ich heute Abend auf sie ein, und das Beste: Sie bezahlen sogar dafür!“

Und das sehr gerne! Denn offensichtlich kommt jeder im Publikum auf seine Kosten. Mit ihrem aktuellen Programm „Erfolgreich Scheitern für Fortgeschrittene“ trifft Lioba Albus exakt den Nerv im Komikzentrum des Zuhörers.

Eines ihrer Lieblingsthemen an diesem Abend ist Deutschlands First Lady: „Ach ja, unsere Kanzlerette!“ Die Leute halten sich den Bauch vor Lachen: „Ich sag immer Kanzlerette, das klingt kalorienreduzierter, einfach leichter“, und fährt fort: „Ach die arme Angela mit ihren hängenden Mundwinkeln. Möchte sie einmal lachen, muss man sie erst auf den Kopf stellen.“

Nahtlos geht die wortgewaltige Westfälin zu ihrem zweiten Lieblingsthema über: Beziehungen. Dafür schlüpft die wandlungsfähige Künstlerin auch gerne mal in die Rolle der verzweifelten Singlefrau Trixi, die in einer Partnerbörse ihren Traummann sucht. So wechselt die Kabarettistin ständig ihre Outfits und überzeugt mit der dazu passenden Mimik, Gestik und Stimmfarbe. Ob die feurig weibliche Lioba oder die teuflisch sarkastische Mia – die Bühne lebt durch ihre ausdrucksstarke Präsenz.

Mit ihrer satirischen Ader greift die Künstlerin Alltagssituation auf und überspitzt diese gekonnt in der Rolle der biederen Hausfrau Mia Mittelkötter: „Als ich letztens im Schwimmbad war, haben sich Jugendliche über Intimrasur unterhalten. Ich dachte, da rasiert man sich nur wenn man operiert wird.“

Nach zweieinhalb Stunden intensiver Bühnenpräsenz dreht die Powerfrau noch einmal richtig auf – und das Publikum kann nicht genug bekommen. Nach zwei Zugaben darf Lioba Albus endlich die Bühne verlassen. Eines aber nimmt die Sauerländerin auf ihrem Heimweg ganz sicher mit: Die Gewissheit, in Greven neue Fans hinzugewonnen zu haben.

 

Lioba Albus im Ballenlager (GZ)
Die Rezeptur für eine erfolgreiche Comedy-Show ist letztlich immer die gleiche: Man nehme eine fiktive Figur, wähle einen Dialekt, den man möglichst selbst beherrscht, überspitzt ihn ein wenig, schaue „dem Volk aufs Maul“ und beobachte akribisch. Fertig ist die Grundrezeptur. Was daraus allerdings „gekocht“ wird und vor allem wie, das macht den erfolgreichen Comedian aus.

Lioba Albus gehört auf jeden Fall zu den „Star-Köchen“ dieses Genres. Das haben die etwa 300 Zuschauer am Freitagabend im Ballenlager erleben können. Während ein Mario Barth seine Pointen wie ein Kaugummi in die Länge zieht, nutzt Lioba Albus ihr Mundwerk eher wie ein Maschinengewehr. Ihre „Klopper“ kommen derart schnell hintereinander, dass man seinen Lachmuskeln kaum eine Ruhepause gönnen kann.

„Ich kann einfach nicht aufhören zu quasseln“, bemerkt sie treffend, während ihre Figur „Mia Mittelkötter“ ihren sauerländischen Charme versprüht und über die Männerwelt herzieht. Wie schrieb jemand über Lioba Albus? Zärtlich wie Gillette, lieblich wie Domestos, trocken wie Always ultra aber vor allem eins: saukomisch. Treffender kann man „die Albus“ nicht beschreiben. Ihr Auftritt im Ballenlager war einer der Top-Acts der Saison 2010.