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Marie-Séférien-Quartett in der Kulturschmiede






Marie-Séférien-Quartett in der Kulturschmiede


Marie-Séférien-Quartett in der Kulturschmiede (WN)

Mit Fantasiesprachen erzählte Geschichten wechselten sich ab mit Jazz und Nouvelle Chanson, südamerikanischen Rhythmen und spartanisch reduzierten, fast schon dadaistischen Eigenkompositionen. Kurz genommen: Ein eher unkonventionelles, weil experimentelles Konzert.

Die Einleitung Egon Kolings klang am Ende wie eine weise Voraussicht: „Einen ganz eigenen Stil, gespickt mit Feinsinn und Melancholie“, hatte der KI-Chef den gut 60 Zuhörern in der Kulturschmiede versprochen. Und Marie Séférian, Tochter des bekannten gleichnamigen Chansonniers Jean-Claude, musste, durfte, wollte Wort halten am Freitagabend bei ihrem Gastspiel in Greven, das zu einer Art traumweltlicherischen Wandlung geriet.

Schon der Einstieg ist bei Marie Séférian ein Bruch zum Gewöhnlichen. Die Stimme surrt, fiepst, summt, erst leise, dann immer lauter. Währenddessen legt Pianist Carsten Daerr eine Art Klangteppich darunter – ein transzendenter, verquerer Moment ist das. Das Publikum weiß da noch nicht so recht, wie es all das finden soll. Die Abwechslung folgt aber auf den Fuß. Der Pianist klackert mit den Absätzen und schon ist der klassische, schnelle Jazzrhythmus wieder da, die Improvisationen von Bassist und Schlagzeuger, die Soli, das Fingerschnipsen und der Wippfuß, den der Typus Jazzfan doch allzu gerne mitmachen lässt beim musikalischen Geschehen auf der Bühne.

Dominierend bleiben die etwas entrückt wirkenden Stücke, die die studierte Jazzsängerin Séférian mal auf Französisch, mal auf Englisch, mal im eigens geschaffenen Kauderwelsch singt, spricht, intoniert. Auch vor Dissonantem, Schrägem scheut sich das Quartett nicht. Der Inhalt der Lieder ist so oder so aus einer anderen Welt. Da verkauft zum Beispiel Séférians Großvater aus Paris im Musikvideo seine Tränen. „Nur um einmal reich zu sein“, wie die 28-Jährige ins Mikro haucht. Anderswo singt sie rockig-flott vom Wald der Wolken, vom „Forêt des nuages“ und natürlich von der „Princesse de ferraille“, der Schrottprinzessin und ihrem Porzellan – dem Titelmotiv von Séférians aktueller CD. Speziell hier merkt man den Chansoneinfluss aus der Familie. Nur, dass er modern interpretiert wird.

Und auch wenn Séférians Stimme insgesamt nicht ganz die Spitzenqualität bieten kann, so bleibt doch dieser Eindruck einer verschmitzten Verspieltheit und Eleganz.

 

Marie-Séférien-Quartett in der Kulturschmiede (GZ)
Vor 29 Jahren wurde sie in Münster geboren, wuchs in einer Musikerfamilie prompt mit dem Jazz auf, veröffentlichte seit 2008 insgesamt drei Alben – und am Freitagabend trat Marie Séférian im Kesselhaus im GBS-Kulturzentrum auf.

Gemeinsam mit ihrer gut aufgelegten Band kam sie am Freitag aus der Bundeshauptstadt Berlin in die Emsstadt, um ihr neuestes musikalisches Werk mit dem Titel „La Princesse de Ferraille“ zu präsentieren. Marie Séférian und ihre Bandmitglieder Javier Reyes am Schlagzeug, Tim Kleinsorge am Bass und Nicolai Thärichen am Piano werden in der Jazzszene sehr geschätzt und ernteten auch in Greven für ihr Können viel Beifall.

Die rund 75 Besucher des Konzerts ließen sich vom Jazz, dem zumeist französischem Gesang und der gelieferten Bandbreite an Songs – allesamt melodisch und rhythmisch abwechslungsreich – beeindrucken und regelrecht faszinieren. Wer sich in der Musikrichtung Jazz ein wenig auskennt, der konnte an diesem Abend womöglich auch die Fantasie, den Witz und auch den Tiefgang nachvollziehen und spüren, den Marie Séférian nicht selten in ihre Lieder einfließen lässt.

Dabei ist es auch nicht ungewöhnlich, dass ganze Passagen von Liedern einfach improvisiert werden.

Die Lieder dieses spannenden Jazzquartetts erzählen oft Geschichten, auf französisch, aber doch auch irgendwie verständlich für diejenigen, die dieser Sprache nicht allzu mächtig sind. Marie Séférian wird gar nachgesagt, sie sei so überzeugend mit ihrem Gesang im Jazz wie nur wenige andere Sänger oder Sängerinnen.

Eine musikalische Entdeckung war es allemal, die da am Freitagabend im eher intimen Kesselhaus auftrat. Denjenigen, die dabei waren, hat es jedenfalls sehr gut gefallen.