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Münsterlandfestival im Ballenlager






Münsterlandfestival im Ballenlager


Münsterlandfestival im Ballenlager (WN)

Münsterland-Promis, Landräte und Kultur-Obere, Sponsoren, Konsulen und Gesandte aus Frankreich und der Schweiz, den Partnerländern des siebten Münsterland-Festivals, warne gekommen, um die Eröffnung im Ballenlager mitzuerleben.

Bürgermeister Peter Vennemeyer gab sich ganz bescheiden: „Ein Schloss haben wir ja nicht und auch kein Kloster“, sagte er in der alten GBS-Schmiede zu den Gästen, die zum Festival-Empfang gekommen waren. Unter ihnen viele Münsterland-Promis, Landräte und Kultur-Obere, Sponsoren, Konsulen und Gesandte aus Frankreich und der Schweiz, den Partnerländern des siebten Münsterland-Festivals, das am Freitag im Ballenlager eröffnet wurde. Dabei, etwas verhuscht und verloren zwischen Häppchen, Sekt und Herzerei, auch eine zierliche, aparte junge Frau, die mehr Augen auf sich zog als Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe: Eliana Burki, eine 29-jährige Alphornistin aus dem Kanton Solothurn, die in einer knappen halben Stunde nebenan das Festival eröffnen sollte.

Vorher aber hatte Ute Schäfer, NRW-Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, im voll besetzten Ballenlager das Wort, und nicht nur Peter Vennemeyer wird es gerne gehört haben: „Was für ein feiner Raum“, schwärmte sie, „was für eine selbstbewusste Region, welche starken Charaktere, diese vitale Kultur, diese Lebensfreude – hier den internationalen Dialog führen, Europa im Münsterland erlebbar machen und erleben – was für ein Glücksfall doch dieser Ort und dieses Festival sind.“

Dann hieß es: „Bühne frei“ für eine der ungewöhnlichsten Musikerinnen jenseits der Alpen: eine Alphornspielerin, die jeden Anflug von Enzian und Alpenglühen mit nie gehörtem Groove im Keim erstickt. Die Tango spielt und Blues und Bauchtanzmusik und extra für ihren Auftritt in Greven einen Münsterland-Blues komponiert und mit ins Ballenlager gebracht hat.

Nun gut, nicht jeder mochte ihre eigenwillige Musik (ein Gast aus Rheine meinte gar, das sei „nichts anderes als James Last auf Alphorn“), denen aber gab im zweiten Teil des Abends Vincent Peirani eine Chance: mit einem Akkordeon-Piano-Saxofon-Klarinetten-Konzert, das so zu Herzen ging, dass viele zwischendurch das Atmen vergaßen. Schifferklavier? Quetschkommode? Sehnsuchtskompressor? Alles Quatsch – oder genau das. Was dieser junge Franzose – und mit ihm ganz exquisite Bass-, Piano- und Klarinettenspieler – anzustellen vermochte, ließ manche Zuhörer wie ertappt die Köpfe schütteln oder in Gänsehaut erschauern und andere melancholisch seufzen. Wenn das der Auftakt, nur der Anfang war, dann sollte man bloß den Lauf und schon gar nicht das Ende verpassen.

 

Münsterlandfestival im Ballenlager (WN Kultur)

Mit einem französisch-schweizerischen Doppelkonzert wurde am Freitag im Grevener Ballenlager das siebte Münsterland-Festival eröffnet. An 30 Orten des Münsterlandes werden bis zum 19. Oktober mehr als 40 Konzerte gespielt und zehn Ausstellungen gezeigt, um den Münsterländern die Kultur der Partnerländer Frankreich und Schweiz näherzubringen. Zum Auftakt spielten die Alphornbläserin Eliana Burki und ihre Band iAlpinisti sowie der Akkordeonist Vincent Peirani, der formidable Musiker mit ins Grevener Kulturzentrum gebracht hatte.

Keine Frage: Die Punkte für Originalität und Optik gehen ohne Abstriche an Eliana Burki, aber die musikalischen gehören Vincent Peirani. Dabei hat die 29-jährige quirlige Schweizerin doch ganz famose Mitspieler, allen voran Keyboarder Adriano Regazzin und Gitarrist Samuel Siegenthaler. Sie müsste die Band nur mal von der Kette und ihre Alphörner etwas mehr im Hintergrund tuten lassen. So aber ist der Originalitäts-Bonus schnell aufgebraucht. Was dann kommt, hat man vielleicht noch nie gehört – auf wundersame Weise aber doch schon Tausende Male. Daran änderte auch ein Münsterland-Blues nicht viel, den sie extra für dieses Konzert in ihr Reisetagebuch geschrieben hatte.

„Travellin Root“ heißt das Album, mit dem die Schweizer wohl jede Heimatfilmidylle mit ihren Klangteppichen aus jaulenden Akkorden und treibenden Rhythmen zerstören könnten. Auch eine schöne Idee, mit dem Alphorn auf Weltreise zu gehen, aber kunterbunt zwischen Folksong, Pop und Jazz zu changieren oder gar die Schwermetall-Krallen auszufahren, dazu Burkis Pseudo-Gesang und ihr belangloses Geträller von Pricesas und Muchachos – das ist „easy listening“ und wie das Matterhorn-Echo nicht jedermanns Geschmack.

Ganz anders Vincent Peirani, den man fraglos auf eine Stufe mit Richard Galliano stellen kann. Mit Michel Benita am Bass, dem Pianisten Michael Wollny und Klarinettist Michel Portal öffnete er eine „Thrill Box“, aus der er sensationelle Jazzmusik zauberte. Mal unfassbar zart und sphärisch, dann kammermusikalisch, freejazzig-wild oder gänsehaut-thrillig wie im „Waltz for JB“ – selten hört man das Akkordeon so melodiös, charmant, ergreifend und ungeheuer intensiv. Es bräuchte schon einen Dichter, um diese musikalische Magie zu beschreiben.