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Peter Fessler und Kento Su Nova in der Kulturschmiede






Peter Fessler und Kento Su Nova in der Kulturschmiede


Peter Fessler und Kento Su Nova in der Kulturschmiede (WN)
Der Jazzabend mit Kento Su Nova hatte noch gar nicht richtig angefangen, da war scheinbar schon alles vorbei. Nach nur einer kurzen, kreativ-verjazzten Version von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, die als Eisbrecher fürs Publikum diente, legte die Band um den Grevener Tobias Sutthoff die Instrumente gleich wieder beiseite, weil Schlagzeuger Joost Kesselaar auf der A2 in einen Stau geraten war und erst mit großer Verspätung eintrudelte. „Aber die Weihnachtszeit ist ja die Zeit des Verzeihens“, bat Sutthoff um Verständnis für diese ungeplante, frühe Unterbrechung. Zur Wiedergutmachung hängten die Jazz-Musiker die verloren gegangenen, wertvollen Minuten am Ende einfach hinten dran.

Dabei hätten die Zuhörer in der Kulturschmiede wohl noch bis in die tiefste Nacht sitzen bleiben können, denn dieses Jazzkonzert bot von bekannten Standards bis hin zu eigenwilligen musikalischen Experimenten der Marke „westfälischer Swing“ eine Bandbreite höchster Jazzkunst, wie sie nur wenige Musiker bieten.

Bevor nämlich der Stargast des Abends, Stimmvirtuose Peter Fessler, die Bühne stürmte, zeigte auch die um die zwei Saxofonisten Martin Klaasen und Ivan Romero erweitere Formation von Kento Su Nova, dass sie ihr Handwerk bestens beherrscht. Melancholische Jazz-Balladen, gekonnte Improvisationen, nicht zuletzt der getragene, deutsche Swing des begnadeten Pianisten Sutthoff begeisterten das Publikum bereits zutiefst.

Als schließlich der als „Ausnahmetalent“ und „Stimmwunder“ angekündigte Peter Fessler die Bühne betrat, glich diese Begeisterung noch mehr der Faszination.

Der gezogene Vergleich mit Gesangsstars wie Bobby Mc Ferrin oder Al Jarreau mag vielleicht etwas zu hoch gegriffen sein, doch die bewundernswerte Stimme des Scat-Virtuosen Fessler versetzte das Publikum gleichwohl in ungläubiges Staunen. Durch alle Tonlagen spielte Peter Fessler lautmalerisch mit Phrasen, Worten und Silben, adaptierte Jazz-Klassiker wie „Fly me to the moon“ oder „All the things you are“. Beeindruckende Imitationen der Instrumentallinien von Trompeter Gerard Kleijn, Bassist Uli Wentzlaff Eggebert und Schlagzeuger Joost Kesselaar ließen somit auch die äußerst mäßige Tonqualität vergessen.

Was außerdem ins Auge fiel, war das nahezu reibungslose Zusammenspiel des Gesangsprofis mit den Instrumentalisten. Allen voran Jazz-Allrounder und Arrangeur Tobias Sudhoff zauberte an Klavier und Rhodes-Piano flotte Soli auf die Tasten. Ab und an lugte auch sein kabarettistisches Potenzial hervor, etwa mit einer westfälischen Version des berühmten Bossa Nova „Samba de Verao“ – extra für Schützenkönige.

Als dann der Zeitpunkt des Abschieds nahte, jubelten die Zuhörer die Akteure gleich mehrfach für eine Zugabe zurück auf die Bühne. Dieser zweite Besuch von Kento Su Nova bei der Kulturinitiative wird hoffentlich nicht der letzte gewesen sein.