Back to Top

Storno im Ballenlager 2012






Storno im Ballenlager 2012


Storno im Ballenlager (WN)
An gleich zwei ausverkauften Abenden tobte das Ballenlager im rasanten Rückblick auf 2012 mit anschließender Jahresendabrechnung des Münsteraner Kabarettistentrios „Storno“. Mehr kann sich ein Jahr wohl nicht wünschen, als von diesem wahrhaftigen Kult durch die Mangel genommen zu werden.

Diese moderne Form des Heimatabends mit Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rühter bot süffisant eine gnadenlose Zer­pflückung der vergangenen großen und kleineren Katastrophen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, es wechselten sich rasante Sketche mit exquisit anmutenden Choreographien und einzigartigen Gesangseinlagen ab. Wer vorher noch nicht vom Storno-Virus befallen war, den hatte das Trio im Sekundenschnelle zur großen Gemeinde der Stornisten bekehrt.

Als Einstieg musste Felix Baumgartner herhalten. Sein Sprung aus der Stratosphäre als Metapher für den freien Fall der FPD oder den fatalen Abstieg des 1. FC Köln ließen das Publikum jede Zurückhaltung verlieren. Da zog sofort ein flächendeckender Applaus durch das Ballenlager. Das Trio schloss sich schnell auf innerdeutsche Themen ein. Beim neuen Frontmann der SPD, Peer Steinbrück, störten sich die drei Wortakrobaten an den Spitzenhonoraren. Das Grundsatzblättchen der „Piraten“ mit ihrer Forderung nach freiem Internet, legalisierten Drogen und unbegrenztem Grundeinkommen zerpflückten sie mit Akribie, bis Jochen Rüther alles mit den Worten zusammenfasste: „Das heißt ja wohl übersetzt: Pornos gucken, dabei kiffen und das Ganze auch noch bezahlt bekommen.“

Mit Sachverstand nahmen sie genüsslich die literarischen Ergüsse von Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls“ auseinander. Harald Funke zerging gar aus Furcht vor ausufernder sexueller Herausforderung, hervorgerufen durch E.L. James „Shades of Grey“.

Das Publikum genoss die Horrorversionen von den Salafisten als Giletteverweigerer kontra Neonazis und eine „Pro Vorhaut“- Demo zu Gunsten der Beschneidungsbefürworter. Für die Künstler gab es nur eine Person, die uns alle aus der Krise führen kann und bei deren Namen Harald Funke gar glänzende Augen bekam. Angie als Kaiserin Europas leuchtete in solchen Momenten über allem. In den adeligen Kreisen kannte sich das Trio offenkundig aus. Die degenerierten, überflüssigen und völlig überbezahlten Windsors mit Hannoveraner Wurzeln mussten herhalten, die 60 Jahre Queen Elisabeth bedeuteten ja auch tragischerweise für Prinz Charles 60 Jahre auf den Thron zu warten.

Die großen Jubiläen von James Bond bis zu den Rolling Stones ließen sie gar musikalisch am Publikum vorbeiziehen, ihr Bee Gees-Gesang stellte sogar das Original in den Schatten. In perfekter Überzogenheit widmeten sie gar dem Toten Hosen-Song „An Tagen wie diesen“ der Kanzlerin mit dem kleinen Tadel versetzt „…mit Phrasen wie diesen“. Wenn Hannelore Kraft zur Maria Hellwig der Politik mutierte, der Wahnsinn sich im Ballenlager ausbreitete, Mutti Merkel ihre schützende Hand über ihren Untertanen ausbreitete, dann hatte vielleicht nicht das Jahr gewonnen, wohl aber das bestens amüsierte Publikum.

 

Storno im Ballenlager (GZ)
Wortwitzig und pointiert hat die Kabarett-Truppe „Storno“ an zwei Abenden einen Blick auf das ausklingende Jahr geworfen. Der alternative Rückblick sorgt seit acht Jahren für volle Hallen und auch dieses Mal trafen „Storno“ wieder den richtigen Ton.

Mit „Storno 2012“ sorgten die Kabarettisten Thomas Philipzen, Jochen Rüther und Harald Funke gleich an zwei Tagen hintereinander für Lachsalven am laufenden Band im ausverkauften Ballenlager.

„Storno. Die Abrechnung“ heißt ihr alternativer Jahresrückblick, mit dem sie seit mittlerweile acht Jahren die Hallen füllen. Sie waren noch bissiger, noch komischer, weniger musikalisch und hantierten mit weniger Requisiten als sonst.

Wortspiele führten zu Umdeutungen mit überraschenden Erkenntnissen. Aus der Formulierung „Per Mitgliedsentscheid“ wurde „Peer Steinbrück“, während der grandiose Sieg von Hannelore Kraft gegen den „Klima-Wendehals“ Röttgen dazu führte, dass er in Merkels Tiefkühltruhe neben Merz und Wulff landete.

„Claudia Roth wurde als fleischgewordener Tinnitus nicht wiedergewählt“, ergänzte Funke trocken. „Was ist los mit der Demokratie? Jeder Depp kann heute eine Partei gründen“, resümierten alle und zerhackten mit Worten den Rapper Bushido.

Die SPD vertreibe die Reichen in die Schweiz. Ganze Flüchtlingstrecks und die Boat People auf dem Genfer See würden so vertrieben. Im Bee-Gee-Sound flippte vor allem Rüther richtig aus, als alle drei mit dem Song „Scheißkrise“ das politische Elend besangen. Fast schon Nebensache waren die vielen sportlichen Höhepunkte des Jahres 2012, während in Berlin die Freigabe der Daten beschlossen wurde.

„Seitdem sind meine Leberwerte gestiegen“, unkte Funke, während Rüther ernst bemerkte, dass in Polen und Deutschland der Hirntod und in anderen Ländern der Herztod das Signal sei für die „Ausschlachtung“. Die neuen Medien brachte Philipzen immer wieder ins Spiel und auf den Punkt. „Ich habe digitale Facebook-Freunde, das hier ist analoges Gesocks“, schwärmte er und meinte mit Letzterem das Publikum. Erst nach zwei Zugaben konnten sie der Begeisterung entfliehen.

Storno im Ballenlager_1

Storno im Ballenlager 2012