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Storno im Ballenlager






Storno im Ballenlager


Storno im Ballenlager (WN)

Es ist die Frage aller Fragen eines Jahresrückblicks. Wer oder was bleibt in Erinnerung? Mutti Merkel? Sozi Sigmar? Der Papst mit Protzbischof im Schlepptau? Weit gefehlt. „Geht es nach mir, ist Lotti die Heldin“, hatte Thomas Philipzen schon früh versprochen. Und Lotti, die bissige Schnappschildkröte aus einem bayrischen Bergsee, wurde tatsächlich zum Star dieses kabarettistischen Jahresrückblicks. Immer wieder sollte das Tier von Philipzen ein Lied gewidmet bekommen. Und immer wieder wurde das verhindert. Von Jochen Rüther, dem wunderbar griesgrämig aufgelegten Kollegen. Die starke Mimik und Gestik von Harald Funke hinzugenommen, rief der Zwist um Lotti jene herrlich unterhaltsamen Wortgefechte hervor, die Storno zu dem machen, was sie sind: die Kabarettkönige des Münsterlandes.
In eben dieser Funktion lockten die drei Komödianten am Montag und Dienstag jeweils knapp 500 Zuschauer ins Ballenlager. Ausverkauftes Haus ist für die „Stornisten“ Alltag, genauso wie die FDP als Gast ihrer Politsatire. Auch Anno 2013 durften die Liberalen natürlich nicht fehlen. Auf der „Pflegeba(h)re“ seien sie aus dem Bundestag getragen worden, ulkte Harald Funke mit Hieb auf Münsters FDP-Spitzenmann. Noch viel bitterer: „Im Grevener Rat wollen die nicht mal mehr zusammensitzen.“ Da tobte das Ballenlager. Hegt man für den „armen Guido“ noch Mitleid, bleiben für Grevens FDP nur noch Spott und Häme.
Die einzige Partei, die ihre Rechnung bekam, blieb sie keineswegs. Die Grünen sind radikale „Salatisten“, die das Volk mit dem Veggie-Day in Dinkelhaft nehmen. Die SPD sitzt im Netz der schwarzen Witwe. Und die CDU ist nicht mehr als der Blinddarm von Angie. „Es ist schön, wenn man ihn hat, aber man braucht ihn nicht.“
Dann vielleicht wenigstens die Maut vom Vollhorst? Nein, auch daran lässt das Trio kein gutes Haar. Warum, fragt Storno, sollten die Österreicher zahlen für Autobahnen, die größtenteils einer von ihnen gebaut hat? Das ist schwarzer Humor vom Feinsten.
Ergänzt wurde er auch beim Doppel-Gastspiel in der GBS um diverse Wortspielereien und nicht zuletzt durch reduzierte, aber gleichwohl beeindruckende musikalische Elemente. Zu Beginn noch etwas schleppend, riss das Männertrio vor allem beim A-cappella-Gesang mit. Anderswo ergänzten Gitarre, Ukulele, Kuhglocke und Klavier das weit über reine Politikschelte hinausreichende Programm. Besonders die Imitation der Radio-Bundesligakonferenz setzte ein Ausrufezeichen unter den Szenen. Bester Beweis dafür: Der eigene, unplanmäßige Lachanfall der Kabarettisten, den sie gekonnt im Zweieinhalb-Stunden-Abend verwoben. Auch die frisch vereidigte „GroKo“ schaffte es über solche Improvisationskunst noch auf die Bühne. Und natürlich Lotti. Wie genau, werden nur die Glücklichen, die Tickets haben für eine weitere Episode Storno 2013. So viel sei gesagt: Sie sind zu beneiden.

 

Storno im Ballenlager (GZ)
An zwei Abenden hintereinander fesselten sie das Publikum: Das Kabarettisten-Trio Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther hat mit seinem neuen Programm „Storno. Die Abrechnung 2013“ im Ballenlager überzeugt. Damit wurde eine bewährte Tradition fortgesetzt.

Damit setzte die Kulturinitiative Greven eine altbewährte Tradition fort. Jedes Jahr scheinen sie bissiger und sprachlich kreativer zu werden, so begeisterten sich einige Dauer-Fans von Storno am Schluss des dreistündigen kabarettistischen Rundumschlages.

Das Jubiläum „60 Jahre Fußgängerzone“ ließ Funke als Rätselbild über die Bühne trippeln, während Rüther erst nach der sprachlichen Zugabe von Funke auf die Bedeutung dieses Aktes kam. 90 Jahre Radio und 50 Jahre Fußballbundesliga kombinierten sie in Anlehnung an die bekannte Radiosendung „Tore-Punkte-Meisterschaften“.

Philipzen lief mundartlich auf bayerisch, rheinisch und norddeutsch zu Höchstform auf, indem er verschiedene Fußballkommentatoren in einem wahnsinnigen Sprachtempo nachahmte. Funke kam mit seinen Toren bei Hoffenheim kaum dagegen an, während Rüther die Funktion der Schaltzentrale übernahm. Es war einer der Sketche, durch die das Publikum kaum aus dem Lachen heraus kam.

Rüther blieb – wie gewohnt – fast immer der gelassene und abgebrühte Mime. Das änderte sich schlagartig, als Philipzen seine Hymne auf „Lotti, die Schnappschildkröte“ anstimmen wollte. Ein toller Gag aus den Nachrichten des Jahres 2013, der herrliche Übergänge schuf.

Die Politik kam natürlich auch nicht zu kurz. Ronald Pofalla setzte das Trio zum Abschied aus der Politik ein letztes Denkmal, in dem es ihn schon als Verstärker bei den Toten Hosen sah. Obwohl die CDU an Mitgliedern verloren habe, zuckte der Angie-Fan Funke nicht zusammen. „Angie ist doch nicht in der CDU. Die CDU ist bei Angie“, konterte er trocken.

Ethik in der CSU gebe es nicht. Die Grünen wurden als „Salatisten“ abgestempelt, während der kleine Gysi die Wagenknecht abserviert habe. „Dafür hat sie ihren Oskar erhalten“, witzelte Funke. Als das Stichwort „FDP“ fiel, bekam Funke einen Weinkrampf. Generationen von Kabarettisten hätten nur von dieser Partei gelebt, jammerte er.

Philipzen, der aus dem „schwarzen Paderborn“ stammt, brachte die Kirche mit ins Spiel. „Tebartz“ sei die Abkürzung für „teuerster Bischof aller Zeiten“. Die Abdankung von Papst Benedikt begründete er damit, dass er „Gallenkatholik“ sei.

Zum Schluss wurde noch ganz aktuell die Große Koalition gefeiert. Philipzen stopfte sich ein Kissen unter das Hemd, um der Leibesfülle von Sigmar Gabriel nahezukommen. Rüther krönte sich als Horst Seehofer, „König von Bayern“. Harald Funke trat als „Kaiserin Angie“ auf. Das herrliche Schlussbild ließ das begeisterte Publikum nicht ruhen. Tosender Applaus wurde mit Zugaben aus früheren Programmen belohnt.