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Storno im Ballenlager






Storno im Ballenlager


Storno im Ballenlager (WN)
Ob Werner das geahnt hat, als er sich einen Platz in der ersten Reihe aussuchte? Klar ist: Den Abend wird er so schnell nicht vergessen. „Jedes Jahr bekommt das Storno, das es verdient“, hatte Jochen Rüther anfangs versprochen. Und Werner bekam ein ganz besonderes Storno. Ein sehr individuelles, weil er selbst eine tragende Nebenrolle übernahm, als die drei Kabarettisten am Donnerstag im Ballenlager mit dem Jahr 2011 abrechneten. Einmal hatte Werner – heute weiß er: an der falschen Stelle – seinen Namen offenbart, und schon musste er für den Rest des Abends als running Gag herhalten. Jeder Bundesbürger hat im Schnitt 25?000 Euro Schulden? Werner also auch! Jeder zwanzigste Mann wechselt nur einmal pro Woche die Unterhose? Werner, Werner?.?.?.

Dafür hatte der liebevoll Gescholtene aber auch beste Sicht auf die Bühne und jene unvergleichliche Gesichtsakrobatik, die auch im aktuellen Abrechnungs-Jahr fester Bestandteil des Storno-Repertoires ist. Besonders Thomas Philipzen und Harald Funke glänzen als Meister dieses Faches. Wenn sie ihre Muskeln rund um Stirn, Nase und Mundwinkel in Bewegung setzten, taten sich in ihren Antlitzen wahre Abgründe auf. Als das Trio etwa die heute übliche Theatralik auf dem Fußballplatz aufs Korn nahmen, gerieten die Szenen wegen eben jener mimischen Glanzleistung zu einem Highlight des Abends. Das mit Worten beschreiben? Unmöglich.

Dass die Veranstaltung, die 400 Besucher nach Greven lockte, von der Volksbank Greven präsentiert wurde, hielt das Kabarett-Trio nicht davon ab, jede Menge Hohn und Spott über den Berufsstand der Banker auszuschütten. Den Anlegern stand das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals, doch die West LB habe statt zum Rettungsring zu greifen „geschlossen eine Arschbombe gemacht“, ätzte Rüther. „Danach sollten da Köpfe rollen. Man hat aber nur Ärsche gefunden.“

Ob Klimawandel, royale Hochzeit (im „britischen Zirkus Krone“), arabischer Frühling (Funke: „Ist das nicht ein Deoroller?“) oder Rating-Wahn – der Abend glich einem Parforceritt durchs Jahr. Philipzen: „Die Überraschung des Jahres war ja der Moslem. Da sagt die Tagesschausprecherin: Der Moslem will Demokratie. Ich dachte, gleich sagt sie: Hera Lind will den Literaturnobelpreis.“

Weiter ging es über die Kanzlerin und Parteiengezänk bis zum Weltuntergang. Funke: „So steht‘s im Biene-Maja-Kalender.“ Rüther: „Wir werden alle sterben. Jopi Heesters hat letzte Zweifel beseitigt.“ Ehec („Das Gemüse wollte uns umbringen“) hat nichts von seinem bedrohlichen Schrecken verloren. Rüther: „Ich steige auf keine Leiter mehr, alles voller Sprossen.“

Von Ober- auf Extraklasse wechselte das Niveau immer dann, wenn das Trio die vorher abgesprochenen Pfade verließ, sich verleiteten ließ, abzudriften, zu fabulieren und zu improvisieren. Vor allem Funke hatte sichtlich Spaß daran, seine Kollegen mit dem ein oder anderen spontanen Einfall aus der Reserve zu locken. Dem Publikum gefiel‘s. Ahnte es doch, dass keiner der vielen Storno-Auftritte wie der andere ist und Greven eine ganz eigene Variante zu sehen bekam. Vor allem natürlich Werner?.?.?.

 

Storno im Ballenlager (GZ)
Das Ballenlager restlos ausverkauft – das muss doch einen Grund haben: Storno gab am Donnerstagabend wieder einmal ein Gastspiel in Greven. Gleich 400 Zuschauer ließen sich locken und schließlich auch begeistern.

Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Harald Funke sind gern gesehene Gäste in dieser Stadt. Und auch diesmal legte das Trio gleich richtig los. Storno stritt, Storno improvisierte. Und das auf eine Art, die einfach allen Spaß bereitete. Der großen „Abrechnung“, so der Titel des aktuellen Bühnenprogramms, machten sie zumindest alle Ehre. Vom Atomausstieg über stürzenden Diktatoren bis hin zu Karl Theodor zu Guttenberg wurden alle wichtigen Themen des vergangenen Jahres durch den Kakao gezogen.

„2011 war das Jahr der Liebe. Kate und William vom Zirkus Krone haben so viel geküsst, dass Prinz Charles die Ohren angelegt hat“, pfefferte Thomas Philipzen, „und die Bruni hat ein Baby gekriegt. Es ist das erste Baby, das größer ist als der Papa“. Zwei Stunden lang tiefschwarzes, hochpolitisches Kabarett: die Stimmung im Saal war fantastisch, und das nahezu pausenlos. Politiker, Stars und Sternchen – niemand wurde im Ballenlager verschont. Wie immer. Seit mehreren Jahren sind Storno nun auf heimischen Bühnen zu Gast. Kaum verwunderlich, dass man da auch mal das ein oder andere bekannte Gesicht wieder trifft.

Den „Werner!“ aus der ersten Reihe dürften weder Storno – noch Werner selbst – so schnell vergessen. Thomas Philipzen hatte den bedauernswerten Grevener an diesem Abend oftmals aufs Korn und in die Pflicht genommen, ihn gar als Mittäter der Finanzkrise beschuldigt. Werner nahm es mit Humor. Die einzig richtige Lösung an solch einem vor allem lustigen Abend mit vielen kleinen und großen Anekdötchen. Weitere Beispiele gefällig? Thema Spritpreise: „Ich bin wegen meiner `Diesel Jeans´ sogar in der Fußgängerzone überfallen worden“, zu Fußballer-Bekenntnissen: „Podolski sollte eher ein Buch lesen, bevor er eins schreibt“ oder auch zur Ehec-Panik: „Ich steige auf keine Leiter mehr, alles voller Sprossen“.

Immerhin: Auch den drei Storno-Profis, die sich bekanntlich als Solokünstler einen Namen gemacht haben, bereitete der Auftritt auf der Bühne sichtlich und hörbar Spaß – manches Mal konnten sie sich das Lachen selbst nicht mehr verkneifen. Auch das hat gute Tradition in Greven