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Tobias Sudhoff in der Kulturschmiede






Tobias Sudhoff in der Kulturschmiede


Tobias Sudhoff in der Kulturschmiede (WN)
Keine leichte Kost für die Kabarettfans – bei Tobias Sudhoffs Flugversuchen am Freitagabend in der Kulturschmiede war Mitdenken einfach erste Bürgerpflicht. Massentauglichkeit strebt der Mann aus dem Emsland wohl nicht an, sein Metier als feinsinniger Wortkünstler erreicht eher die Feinschmecker unter den Linguisten.

Als Conférencier in Varietés, renommierter Jazzpianist mit internationalen Ambitionen, Texter und Übersetzer mit Sinn für sprachliche Zwischentöne konnte Tobias Sudhoff die Kulturschmiede zum Ort einer sehr interessanten Selbstdarstellung machen. Denn mit seinem autobiographisch geprägten Programm entführte er in die Welt hinter den Dingen, wo Existenzialismus und illusorische Realitäten friedlich vereint sind. Als Power-Talker par excellence bot er Unterhaltung auf hohem Niveau mit äußerstem Tiefgang, ließ natürlich auch seine musikalischen Qualitäten in seine Reise zu den Wahrheiten des Lebens im alltäglichen Wahnsinn einfließen.

Ihm zur Seite stand der Bassist Klaus Bensen, dem man seine klassische Ausbildung an den Saiten wohl nur bei den solistischen Eskapaden anmerkte. Da tobte er sich mit innovativem Spiel aus, bot einen authentischen Gegenpart zu den flott seichten Klangteppichen des Protagonisten. Schauspielerisch konnte der Bassist mit dem Hang zur Selbstverleugnung wichtige Impulse liefern, seine Mimik und Gestik erinnerten da in ihrer Unbekümmertheit an Jacques Tati. Im facettenreichen Geschehen bot er einen ruhigen Pol, an dem sich das Auge ausruhen und der Verstand sich einfach nur treiben lassen konnte.

Die Lieder von Tobias Sudhoff erinnerten stilistisch an bekannte Weisen von Georg Kreisler, bei dem er musikalisch wohl in die Lehre gegangen sein muss. Aber es schwang noch etwas anderes mit, das an die spritzigeren Lieder des frühen André Heller erinnerte. Wenn Tobias Sudhoff von seinen Anfängen im Show-Business plauderte, entwickelte er eine sentimental-melancholische Selbstironie. „In einer kleinen Bar in einer großen Stadt“ entwickelte man gar Mitleid mit diesem Perfektionisten, der zwischen seinen Orchideen und diversen Kochbüchern nicht den scharfen Blick für die Realität verloren hat.

Zwischen Glück und Tod entdeckte Tobias Sudhoff das Leben in all seiner Schönheit, ließ sich auch von Rückschlägen auf dem Weg zum gereiften Künstler nicht abschrecken. Als Opfer des modischen Sportwahns glich er gar dem selbstverliebten Ikarus auf dem Weg zur Sonne, aber Tobias Sudhoff verbrannte sich nicht bei seinen Schlagerergüssen. Bei ihm wurde alles eine Frage der Perspektive, geriet er im Kampf gegen die Ökoterroristen an die Grenze der Höflichkeit. Mit ihm kann man beruhigt alt werden, sein „Ach wie gern wär ich endlich Senior“ war süffisant perfide Abrechnung mit dem Jugendwahn der Generation 60 plus. Tobias Sudhoff mag nicht jedermanns Geschmack bedienen mit seinen „Flugversuchen“, aber das muss ja zum Glück auch nicht sein. Sein „Lied vom verzweifelten Mann“ ging unter die Haut, bewegte und berührte.

 

Tobias Sudhoff in der Kulturschmiede (GZ)
Wenn Tobias Sudhoff in die Tasten greift und in seinen Liedern von Schönheit und Schmerz des Lebens erzählt, verzaubert er die Zuhörer mit Ironie und Melancholie. Am Freitag gastierte der Emsländer in der Kulturschmiede in Greven.

Sudhoff ist kein Mann für die Massen. Als Buchautor propagiert er die High-End-Küche für ambitionierte Hobby-Köche. Und auch an die Zuhörer seines Kabarettprogramms stellt der vielseitige Künstler mit dem breiten Interessenspektrum Ansprüche: Mitdenken ist gefragt.

Seine Lieder erinnern an den Satiriker und Chansonnier Georg Kreisler und an die Spritzigkeit des jungen André Heller.

Tobias Sudhoff kennt sich aus im Showbusiness – er ist Conferencier in Varietés, renommierter Jazzpianist, Texter und Übersetzer. Wenn er aus seinem Leben und von seinem beruflichen Werdegang erzählt, begibt er sich auf eine Gratwanderung zwischen Sentimentalität und Selbstironie.

Wer einmal einen Blick in seine Kochbücher geworfen hat, weiß um Sudhoffs Perfektionismus und kann sich in die Verlorenheit des Erzählers hineinversetzen, der seinem Publikum vorsingt, wie er sich “In einer kleinen Bar in einer großen Stadt” fühlt. Die Schönheit des Lebens besteht nicht im ungetrübten Glück, sondern in der Spannung zwischen Hochgefühl und Vergänglichkeit: Sudhoff weiß das, kostet das aus und lässt sich auch von Rückschlägen nicht abschrecken, weil er weiß, dass diese ihn reifen lassen.

Begleitet wird Sudhoff vom Klaus Bensen, einem klassisch ausgebildeten Kontrabassisten mit langjähriger Jazz-Lounge-Erfahrung, der sich vornehm zurückhält und nur bei seinen Soli innovativ austobt. Die Hände hat er am Instrument – und dennoch weiß Bensen sich schauspielerisch einzubringen, kommentiert den Protagonisten mimisch und gestisch.

“Flugversuche” heißt das Programm des Duos – und um hier auch inhaltlich einen Bogen zu schlagen, beschreibt Sudhoff sarkastisch, wie er ein Opfer des Sportwahns wird und dem selbstverliebten Ikarus gleich der Sonne entgegen gleitet, begibt sich dabei aber nur scheinbar in die Niederungen des Schlagers.Ökoterroristen

Auch Ökoterroristen und die dem Jugendwahn verfallene Generation der über 60-Jährigen nimmt diese Revue der Höhenflüge und Bruchlandungen aufs Korn.

Und es muss nicht immer komisch sein: Auch die leisen Töne beherrschen Sudhoff und Bensen und bewegen mit dem “Lied vom verzweifelten Mann”.