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Tommy Schneller in der Kulturschmiede






Tommy Schneller in der Kulturschmiede


Es ist erst der vierte Song an diesem noch jungen Abend, doch die gute Laune der Band ist über die Musik schon längst im Publikum angekommen, die Stimmung ist bereits aufgeheizt, und so ist es ein Leichtes für Tommy Schneller, die Zuschauer von ihren Plätzen vor die Bühne zu holen, sie zum Klatschen, Tanzen und Mitsingen zu animieren. Spätestens jetzt, beim neuen Stück „Super Hero“, war diese spezielle Blues-, Funk-, Soul- und R&B-Atmosphäre vollends in der am Samstagabend ausverkauften Kulturschmiede angekommen.

Elf Jahre nach seinem ersten Gastspiel in Greven, damals war es ein Benefiz-Konzert, gelang es der Kulturinitiative, den längst zur preisgekrönten Szenegröße avancierten Saxofonisten und Sänger mit seiner Band wieder in die Emsstadt zu holen. „Die Band bietet eine unglaubliche Perfektion, nicht umsonst haben sie eine ganze Menge Preise gewonnen in den vergangenen Jahren“, freute sich der KI-Vorsitzende Egon Koling über diesen Coup. Einen solch großen und begeisterten Zuschauerzuspruch hatte er dann aber doch nicht so ganz erwartet und war daher nochmals umso zufriedener: „Das beweist, dass er ein Könner ist.“

Den „Könner“ mit der unverwechselbaren, souligen und röhrenden Stimme begleitete eine sechsköpfige – perfekt aufeinander abgestimmte – Band. Während Gary Winters und Dieter Kuhlmann die unersetzlichen Trompeten- und Posaunenklänge lieferten, gaben Bernhard Weichinger am Schlagzeug und Bassist Maik Reishaus den Rhythmus vor. Gregory Barret überzeugte nicht nur am Keyboard, sondern auch gesanglich. Und Gitarrist Jens Filser stach mit seinen klaren Blues-Gitarrensoli und einem perfekten Zusammenspiel mit Saxofonist Schneller hervor.

Mit unverkennbarer Freude an der Musik brachten der gebürtige Osnabrücker Schneller und seine Band eine facettenreiche Mischung auf die Bühne – mal funkig, mitreißend, dynamisch und stimmungsvoll und auch mal ruhiger, voller balladesker Blues-Emotion. „Wir werden heute vieles neues Zeug spielen“, verkündete Schneller zu Beginn des Konzerts.

Denn das neue Album „Cream of the Crop“ überzeugte nicht nur Kritiker wie Fans gleichermaßen, sondern ist auch gerade einmal etwas mehr als einen Monat jung. Neben den vielen Eigenkompositionen waren allerdings auch einige Interpretationen echter Klassiker aus den Bereichen Blues, Funk und Soul dabei. So war nicht nur viel Abwechslung im Spiel, sondern Schneller rechtfertigte am Samstagabend zudem schnell, warum er in den letzten Jahren mit vielen Szenegrößen erfolgreich zusammen musizierte.

„Das sind Geschichten aus dem Leben“, beschrieb Tommy Schneller die Songs der neuen Platte. Tatsächlich sind das nicht nur musikalische Hausnummern, sondern auch textlich wissen die Songs auf ihre Art zu unterhalten. Da ist zum Beispiel der humorvolle „Cleaning Lady Blues“ über den Junggesellen, der sich eine Putzhilfe für sein Appartement anstellt, sich verliebt und dann den Trennungsschmerz zu verarbeiten sucht.

Die Live-Show mit allem drum und dran beherrschten Schneller und Band natürlich ebenso. Während „Blues for the Ladies“ unternahm er den Gang ins Publikum und zeigte bei diesem langen Improvisationspart, dass er ein wahrer Virtuose am Saxofon ist – und dabei gleichzeitig für Unterhaltung sorgen kann.

Nicht nur Egon Kolings Fazit fiel am Ende des Abends hochzufrieden aus: „Der Zuspruch ist gut, das Event ist gut, das ist doch genau das, was wir uns für heute gewünscht haben.“