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Volker Pispers im Ballenlager






Volker Pispers im Ballenlager


Volker Pipers im Ballenlager (WN)
Die BWL-Studenten. Oh ja, diese BWL-Studenten. Dass Volker Pispers an denen kein gutes Haar lassen würde, war absehbar. Seit Jahren hat er sie auf dem Kieker, bescheinigte ihnen ergo auch beim Auftritt in Greven, dass es „intellektuell zu Jura nicht reicht“. Womit wir schon beim nächsten Pispers’schen Hass-Objekt wären: den Juristen. Die Liste ließe sich beinahe beliebig lange fortsetzen. Um die Ärzte zum Beispiel, denen bestätigte er, ein „zähes Pack“ zu sein, nur eben rechnen könnten sie nicht. Seit er – Pispers – Kabarett mache, klagten die Ärzte über ihre Situation. Ausgestorben seien sich aber nicht. Im Gegenteil: „Die sind die einzigen, die es hinbekommen, sich gleichzeitig über den Spitzensteuersatz und ihr zu geringes Einkommen zu beklagen.“

Es war ein bisschen so, als habe er sich vorgenommen, eine To-Do-Liste abzuarbeiten von Politikern, Parteien und Professionen, denen er mal so richtig die Meinung sagen wollte. Und das tat er dann auch – sehr konsequent und höchst unterhaltsam. Beispiel: so genannte Wirtschaftsexperten. „Da finden sie zuhause intelligentere Lebensformen auf ihrem Duschvorhang.“ Dabei lag bei allem Spott stets ein Körnchen Wahrheit in den Dingen, die sich Pispers vorknöpfte.

Und eben auf diesem Körnchen Wahrheit baute Pispers auf, er überhöhte – und demonstrierte so die hohe Kunst der Satire. Pispers schimpfte und lästerte bei seinem Besuch in Greven auf hohem Niveau. Sein Programm „Bis neulich“ bot dabei reichlich Gelegenheit, auch Aktuelles einzubauen. Es sei ein ständig mutierendes Kabarettprogramm, das einst als „Best of“ aus 20 Jahren das Bühnenlicht erblickte, hatte Pispers im Vorfeld verlauten lassen. Was genau das heißt, erlebten am Freitag rund 420 Besucher im gänzlich ausverkauften Ballenlager.

Apropos Aktuelles: Natürlich kam Pispers an Bettina Wulff nicht vorbei. „Was bildet diese Zicke sich eigentlich ein, wer – außer ihr selbst – ihren Namen googlen würde? Da hat man doch besseres zu tun.“ Als Großer der Szene muss Pispers kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Und so fühlte er sich auch in Greven eingeladen, hemmungslos auszuteilen: Gegen die regierende Klasse im Allgemeinen und Merkel/Rösler im Besonderen. Gegen profitgierige Bonzen und ihre Berater, gegen kühl agierende Banker, gegen das ganze System. Er spannte den Bogen über die Jahrzehnte und lieferte damit im Vorbeigehen auch eine Zusammenfassung von gut 60 Jahren bundesdeutscher Nachkriegsgeschichte. Eine Zusammenfassung, die deutlich politisch geprägt war, und unverkennbar links.

Besonders still wurde es im Publikum, wenn Pispers den Humor beiseite schob und Fakten sprechen ließ. Wenn er unbequeme Wahrheiten aussprach, etwa zu Mindestlohn, Pressefreiheit und politischem Extremismus. Natürlich bekam er am Ende stets den Dreh zum nächsten Lacher. Teilweise derb in der Wortwahl, aber stets intelligent aufbereitet. Unmöglich zu beschreiben. Man muss es gesehen haben. Wer`s verpasst hat: Pispers kommt bestimmt wieder. Bis neulich.

Am Ende des über dreistündigen Programms ermunterte Pispers das restlos begeisterte Publikum, auch unbekannteren Künstlern eine Chance zu geben. „Nicht alles, was im Fernsehen läuft ist gut, und nicht alles, was gut ist, läuft im Fernsehen“, sagte er. Die KI beispielsweise, mit der ihn eine besondere Freundschaft verbindet, verpflichte immer wieder einige dieser Künstler. „Wenn die KI einen einlädt, hat das einen Grund. Die geben sich Mühe, die werfen doch keine Pfeile aufs Telefonbuch.“