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WDR-Bigband im Ballenlager






WDR-Bigband im Ballenlager


WDR-Bigband im Ballenlager (WN)

Die WDR-Bigband unter der Leitung von Michael Abene aus New York in Greven – dieses musikalische Sahnestück der Extraklasse präsentierte die Kulturinitiative am Dienstagabend im restlos ausverkauften Ballenlager. Wie die Leute der KI es geschafft haben, solch ein Weltklasse-Ensemble nach Greven zu holen, wird wohl ein internes Geheimnis bleiben, das Publikum erlebte auf jeden Fall einen nicht nur für Jazzfans einzigartigen Abend.

Zuerst einmal hatte der Vorsitzende Egon Koling eine nicht so einfache Aufgabe. Er musste dem Publikum erklären, dass das eigentliche Konzert der Bigband mit einer unplanmäßigen Verspätung beginnen musste. Bei der Abreise in Köln waren die falschen Noten eingepackt worden, die Musiker konnten also nicht wie gewohnt mit ihrem normalen Programm beginnen. Aber was bei „normalen“ Konzerten zu einem Chaos geführt hätte, war für die Profis des WDR nur eine weitere Herausforderung. Sie orderten die „richtigen“ Noten telefonisch, eine Taxifahrerin machte sich für 250 Euro Transportkosten mit dem Koffer von Kölns aus bei winterlichem Wetter auf den Weg.

Die unvermeintliche Wartezeit überbrückte man mit mehreren Trio-Werken, bei denen die Jazzfans voll auf ihre Kosten kamen. Denn was man von dem Pianisten, dem Bassisten und dem Schlagzeuger in der Wartezeit an Musik hörte, hätte an anderem Ort sicherlich für Furore gesorgt. Mit ihrem wahrlich exquisiten Spiel sorgten sie für eine musikalisch köstliche Bereicherung des Abend. Als dann das eigentliche „Very Personal 2010“-Programm begann, war man feinsinnig eingestimmt auf einen wunderbar unterhaltsamen Abend.

Mit einem „Blues open“ spielte sich das Ensemble direkt in die Herzen der Bigband-Sound-Fans, da erlebte man Lieblingsstücke der einzelnen Musiker in feinsten Arrangements von Michael Abene. Beim „Bossa obscura“ versprühten sie brasilianisches Temperament, ließen bei „Banana tree“ bei solch intensivem Spiel die Zeit vergessen. In ihren Solopassagen zeigten die Mitglieder der WDR-Bigband ihre ganzen Qualitäten, ließen Raum und Zeit vergessen bei ihrem innovativ glänzenden Spiel. Eigenkompositionen der Musiker wechselten mit traditionellen Jazzstandards, da fand jeder das für ihn passende Werk in diesem abwechslungsreichen Programm. „Your´re so beautiful“ von Stevie Wonder wurde bei solch exquisitem Spiel zum Synonym eines Konzertes, das in Greven Maßstäbe setzte.

Hautnah erlebte man die durch individuelle Improvisationen angereicherte Musik, da wurden Songs wie „Blue Dahilia“ und „Chatterbox“ zu lebendigen Erlebnissen. Die musikalischen Vorlieben der Bandmitglieder bestimmten das Programm und trafen sich an einem gemeinsamen Punkt mit den Erwartungen des Publikums. Unterschiedliche Temperamente und Profile wurden erlebbar, da fand jeder bei solch niveauvoller Musik sein passendes Lieblingswerk.

Diese nunmehr neunte Tour der WDR-Bigband mit liebgewonnenen Songs war auch in Greven ein voller Erfolg, der die „Startschwierigkeiten“ – überwältigt durch solch wunderbar gespielte Musik – einfach vergessen ließ. Aus dem Tanzorchester des Westdeutschen Rundfunk ist über die Jahre ein Orchester mit Weltklasseniveau geworden, das man sicherlich in Greven in Zukunft gerne wieder erleben würde. „Your are so beautiful“ wäre da als Kennzeichen solch eines herausragenden Konzertes angebracht.

 

WDR-Bigband im Ballenlager (GZ)
Das Ballenlager hatte am Dienstagabend hohen Besuch: Die renommierte WDR-Bigband hatte Greven als Station zwischen Essen, Köln und Düsseldorf eingeplant. Doch es gab eine Panne: Die Band hatte ihre Noten vergessen und fing darum mit dem richtigen Programm erst etwa eine Stunde später an als geplant.

Mit einer Stunde Verspätung begann die Band ihr reguläres Programm. Bei 1,8 Tonnen Big-Band-Reisegewicht mit Steinway-Flügel und Kontrabass hatte der zuständige der Notenwart schlicht das falsche Programm eingepackt. Eine Kölner Taxifahrerin kämpfte sich durch winterliches Schneetreiben nach Greven durch.

In der Zwischenzeit brillierten mit spontanem Improvisationstalent Pianist, Bassist und Schlagzeuger der Formation. John Goldsby am Bass demonstrierte, dass man mit 16 Jahren Erfahrung und reichlich Hornhaut an den Fingern atemberaubende Basssoli zaubern kann.

Mit halbstündiger Verspätung wurde es danach „very Personal 2010“ – sehr persönlich also: Zahlreiche Eigenkompositionen präsentierten die 18 Vollblutmusiker. Ihre musikalische Raffinesse stellten die Solisten in ausgedehnten Improvisationspassagen unter Beweis. Häufig arrangiert von Chefdirigent Michael Abene, hatte die WDR-Big-Band mit ihren Bläsersätzen reichlich Power.

Karolina Strassmayer, einzige Frau der Band, hatte einen interessanten eigenen Song im Gepäck. Der Titel „Du bist entweder eine Göttin oder eine Fußmatte“ klang nicht nur erheiternd, auch der warme Sound von Holzbläsern und gedämpften Trompeten ließ das ein oder andere Lächeln erscheinen.

Das Publikum war nach zweistündigem Konzert zweigeteilt. Während die eingefleischten Jazzfans voll auf ihre Kosten gekommen waren, dürften die Freunde des klassischen Jazz und des großen Big-Band-Sounds der 1920er-Jahre vom sehr eigensinnigen Programm überrascht gewesen sein. Es war eben ein einzigartiges Konzerterlebnis, sehr persönlich, das man in Greven so schnell nicht vergessen wird.