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2026 – Die Bullemänner – „Murks“ – 28. März






2026 – Die Bullemänner – „Murks“ – 28. März

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Bullemänner im Grevener Ballenlager

Filetstück der gepflegten Unvernunft

Von Axel Engels

GREVEN. Es war ein Samstagabend, an dem sich das Münsterland von seiner wohl besten Seite zeigte. Selbst die westfälische Eiche klimperte kurz mit den Blättern und das restlos ausverkaufte Ballenlager überlegte, ob es nicht doch lieber ein Opernhaus sein möchte.

Denn in seinen Grundfesten wurde das Gemäuer erschüttert von den Lachsalven, die die Bullemänner bei ihrem ausverkauften Auftritt erzeugten. Der Kulturinitiative war es gelungen, dieses Kulttrio nach zehn Jahren wieder nach Greven zu locken.

Und die Bullemänner lieferten nicht einfach nur Murks, sondern erlesenen Murks, also quasi das Filetstück der gepflegten Unvernunft, serviert auf einem Silbertablett aus Stallgeruch, Heimatliebe und einer Prise „Ach komm, dat geht schon“.

Sofort war klar, dass hier zwei Männer und eine Tastenfachkraft ein ganzes Universum zwischen Maisfeld und Emsaue entfalten. Ein Universum, in dem jede Pointe einen Gummistiefel trägt und jede Melodie nach frischem Kaffee und leicht angebrannter Bratkartoffel klingt.

Augustin Upmann und Heinz Weißenberg agierten mit der Selbstverständlichkeit zweier Männer, die schon alles gesehen haben, während Svetlana Svoroba mit einer Mischung aus Virtuosität und augenzwinkernder Überlegenheit an den Tasten hantierte, als würde sie heimlich die gesamte Dramaturgie steuern und die beiden Herren nur aus pädagogischen Gründen gewähren lassen.

Das Publikum wurde von der ersten Minute an eingesogen in ein Kuddelmuddel, das so kunstvoll war, dass man sich fragte, ob Murks vielleicht doch eine olympische Disziplin werden sollte. Dann hätten die Bullemänner längst Gold, Silber und Bronze gleichzeitig gewonnen. Sie können sich eben nicht auf eine Seite festlegen, ganz im Sinne von Karl Valentin, dessen Dreiseitenlehre an diesem Abend nicht nur zitiert, sondern gelebt wurde. Jede Pointe hatte eine positive, eine negative und vor allem eine komische Seite, wobei die komische Seite eindeutig die Überhand gewann und sich breit machte wie ein gut gelaunter Landwirt auf einem zu kleinen Trecker.

So ging es Schlag auf Schlag durch drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung, die sich nicht wie ein Rückblick anfühlten, sondern eher wie ein Familientreffen, bei dem plötzlich alle gleichzeitig reden. Irgendwo zwischen Klimawandel, Demokratiekrise und der Frage, ob man Leberwurst eigentlich gendern muss, entstand eine Art westfälische Weltformel, die ungefähr lautete: „Wenn schon alles vermurkst ist, dann wenigstens ordentlich.“

Das Publikum lachte sich regelrecht fest, so wie man sich im Matsch festläuft, nur angenehmer. Während draußen vielleicht die großen Fragen der Zeit unbeantwortet blieben, wurden sie drinnen zumindest so lange durch den Kakao gezogen, bis sie freiwillig wieder nach Hause gingen. Genau darin lag die große Kunst dieses Abends, dass man sich gleichzeitig klüger und alberner fühlte, eine Kombination, die im Alltag viel zu selten vorkommt.

Da muss man dem Anliegen von Heinz Weißenberg nachkommen, der sich ausdrücklich folgende Beschreibung gewünscht hatte: Das Spiel des Darstellers von Heini war einfach beklommen intensiv. Wenn Augustin Upmann mit der Ernsthaftigkeit eines Mannes, der gleich eine Steuererklärung vorträgt, über den Klimawandel dozierte, nur um dann festzustellen, dass sein größtes Problem darin besteht, dass das Bier zu schnell warm wird, dann war das nicht nur ein Witz, sondern eine kleine, perfekt gesetzte Beobachtung über menschliche Prioritäten, die irgendwo zwischen Tragik und Zapfhahn pendeln.

Wenn dann auch noch Heinz Weißenberg mit chirurgischer Präzision die Absurditäten politischer Entscheidungen seziert, dabei aber immer so wirkt, als hätte er eigentlich nur kurz nach dem Weg gefragt, dann ist das genau diese Mischung aus Understatement und Übertreibung, die das Ethnokabarett der Bullemänner so einzigartig macht.

Als weltweit erster weiblicher Bullemann brillierte Svetlana Svoroba nicht nur musikalisch, sondern setzte auch inhaltlich immer wieder kleine Nadelstiche, die unglaublich charmant verpackt waren. So wurde aus dem Abend eine Art kollektives Kopfkino, in dem sich Schützenfeste, Neubausiedlungen, politische Debatten und persönliche Befindlichkeiten zu einem bunten Flickenteppich verbanden, der zwar an keiner Stelle perfekt war, aber genau deshalb so wunderbar funktionierte.

Die Welt war an diesem Abend für ein paar Stunden so herrlich verdreht und der Applaus rollte durch den Saal wie ein gut geölter Mähdrescher. Solch exquisiter Murks wie mit den Bullemännern ist wohl genau das, was die Welt dringend braucht.



Quelle: 2026 – Die Bullemänner – „Murks“ – 28. März