Stiller Dialog mit dem Publikum
Von Axel Engels
GREVEN. Das Konzert in der Kulturschmiede am Freitagabend präsentierte sich als inspirierendes Erlebnis, das sich nicht so einfach in Worte fassen lässt. Der Kulturinitiative Greven war es gelungen, mit Jens Kommnick einen wahren Meister der Saitenkunst nach Greven zu holen, und in der ausverkauften Kulturschmiede erlebten die Musikliebhaber ein Konzert, das weit über die Summe seiner gespielten Stücke hinausging.
Man wurde Zeuge eines zutiefst menschlichen und berührenden Dialogs zwischen Künstler und Publikum, der von der ersten bis zur letzten Minute von einer stillen, fast andächtigen Aufmerksamkeit getragen war, wie man sie nur selten erlebt.
Der Abend war geprägt von der Präsenz von Jens Kommnick, jenem Musiker, dessen Name seit Jahrzehnten untrennbar mit der Kunst des Celtic Fingerstyle verbunden ist. Seine Spielweise besitzt eine solche Selbstverständlichkeit und Tiefe, dass man unweigerlich das Gefühl bekam, hier spreche jemand eine Sprache, die älter ist als Worte und zugleich unmittelbarer als jede Erklärung.
Jens Kommnick gelang es in einer fast beiläufig wirkenden Virtuosität, technische Meisterschaft und emotionale Offenheit so miteinander zu verweben, dass daraus Klangbilder entstanden, die zugleich präzise und strukturiert und doch wie improvisiert wirkten.
Diese Balance prägte den Abend, in dem Stücke wie „Come Again/Once upon the time“ wie poetische Erzählungen erschienen und „Crossing“ als musikalische Überfahrt nach Irland nicht nur geografische, sondern vor allem innere Landschaften eröffnete. Hier wurde die Weite und Melancholie spürbar, getragen von einer leisen Sehnsucht, die sich wie ein roter Faden durch das Programm zog.
Als dann „Empty House“ erklang, jenes zutiefst persönliche Stück in Erinnerung an seine Mutter und das Elternhaus, verdichtete sich die Atmosphäre zu einem Moment von solcher Intimität, dass sich die individuelle Erfahrung des Künstlers mit den eigenen Erinnerungen der Zuhörenden verband.
Vielleicht lag die besondere Qualität dieses Abends gerade darin, dass nichts je aufgesetzt wirkte, dass Humor und Ernst, Virtuosität und Bescheidenheit, Leichtigkeit und Tiefe in einem feinen Gleichgewicht standen. In seiner charmanten Moderation zeigte sich die menschliche Reife von Jens Kommnick, etwa wenn er mit einem Augenzwinkern auf Reinhard Mey Bezug nahm und dessen Lied „Seelig sind die Verrückten“ in eine respektvolle Hommage verwandelte.
Der Abend war durchzogen von musikalischen und biografischen Linien, die sich kreuzten und ergänzten, sei es in der Bearbeitung von „Gabriellas Sång“ aus dem Film „Wie im Himmel“, die in ihrer Reduktion auf das Wesentliche eine neue, fast kontemplative Dimension erhielt.
Die stilistische Offenheit von Jens Kommnick gegenüber Einflüssen aus Klassik, Jazz und Rock zeigte sich etwa in „An Rogaire Dubh/Rory Kennedy“, das mit einer fast tänzerischen Energie dargeboten wurde, ohne jemals seine lyrische Qualität zu verlieren.
Im Zugabenmedley schließlich bot er eine melancholische Improvisation aus bekannten Melodien wie „Horch, was kommt von draußen rein“, „Here comes the sun“, „Über den Wolken“ und „Der Mond ist aufgegangen“, die in ihrer scheinbaren Einfachheit eine tiefe poetische Kraft entfaltete. Jens Kommnick schenkte dem begeisterten Publikum seine ganz persönliche Einladung, Musik nicht nur zu hören, sondern zu fühlen.